August 2016
August 2016

«Rosso intenso»-Gewebe veredelt Möbelhaus

BAUEN MIT METALLGEWEBEN

Die optische Wirkung der Hauptfassade von Möbel Pfister in Contone (TI) ist im Lauf der Jahrzehnte zunehmend verblasst. Mit einer intensiv roten, vorgesetzten Gewebefassade verleihen die Architekten dem Gebäude ein frisches Erscheinungsbild.


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Das Möbelhaus Pfister im Tessin ist den meisten Leuten von Besuchen der beliebten Gegend rund um den Lago Maggiore ein Begriff. Nicht nur weil es die einzige Filiale von Möbel Pfister im Tessin ist, sondern auch, weil es an einer der meistbefahrenen Strassen im ganzen Kanton steht. Da das an prominenter Lage stehende Gebäude etwas in die Jahre gekommen war, wurde die E. Pfister Cie AG von der Triarca Architektur AG, Zürich angefragt, ob es möglich sei, das Gebäude mit einer vorgehängten Fassade wieder auf Vordermann zu bringen.
«Grundsätzlich handelte es sich hier nicht um eine spezielle Anforderung an unsere Produkte und unsere Spezialisten», erklärte Tobias Pfister, Geschäftsführer der E. Pfister & Cie AG, gegenüber der «metall» und fügte an: «Schliesslich unterstützen wir Architekten, Fachplaner, Fassaden- und Metallbauer tagtäglich bei diesen Aufgaben. Aber einige Kriterien dieses Projekts forderten uns doch sehr heraus. Die Farbe und die Schrägen der Elemente mussten stets genau im Auge behalten werden. Zudem ist die Lage des Gebäudes wettermässig sehr exponiert, was bei der Planung unbedingt berücksichtigt werden musste.»
Farbe Rot war gefragt
Die Bauherrschaft und die Architekten entschieden sich, die Elemente in der Farbe Rot (RAL 3020), entsprechend der Corporate Identity der Möbel Pfister AG, zu realisieren. Dies hatte zur Folge, dass die Schussstäbe der Elemente vor dem Weben zu beschichten waren, was allgemein bei Draht im Durchlaufverfahren nicht ganz einfach zu realisieren ist. Der Gewebe-hersteller GKD, Gebrüder Kufferath AG, konnte bereits bei ähnlich gelagerten Objekten Erfahrungen sammeln. Dieser Vorteil ermöglichte es, in kurzer Zeit die entsprechenden Punkte wie Farbgenauigkeit, Witterungs- und UV-Beständigkeit sowie mechanische Resistenz in Bezug auf den gewünschten Farbton zu erarbeiten und auch zu bemustern.
Farbbehandlung der einzelnen Drähte
Das spezielle Anforderungsprofil in Bezug auf das Ausfärben erforderte verschiedene Labortests unter Sonneneinstrahlung. Diese zeigten, dass die technische Zusammensetzung des Beschichtungsverfahrens Anpassungen benötigt, um den üblichen Garantieansprüchen zu genügen. Die Lackierung hatte auch produktionsbedingten mechanischen Eigenschaften gerecht zu werden. So wurden die Schussdrähte im Durchlaufverfahren beschichtet und anschliessend wieder aufgerollt. Zum gegebenen Zeitpunkt sind die Drähte dann wieder abgerollt, gerichtet und schliesslich verwebt worden. Die Elastizität der Beschichtungsoberfläche bildet deswegen ein äusserst wichtiges Kriterium. Ohne die notwendige Elastizität könnte dieses Verfahren nicht angewendet werden, was dazu führen würde, dass die Elemente «nur» Stückbeschichtet werden könnten. Dies hätte wiederum zur Folge, dass eine der wichtigsten Eigenschaften von Architekturmetallgeweben, nämlich die Grossflächigkeit der Elemente, nicht genutzt werden könnte.
Unterschiedliche Zugmechanismen
Bereits in der Planungsphase war klar, dass die vertikalen Kettseile der Gewebebahnen nicht beschichtet werden können. Da sich die Kettseile im Wind wesentlich mehr bewegen als das Gewebe, könnte sich ein unerwünschtes «Abblättern» der Farbe einstellen. Die erwähnte zweifarbige Oberfläche führt dazu, dass die Fassade je nach Sonneneinstrahlung optisch sehr metallisch wirkt und einen speziellen Glanz widerspiegelt. Die Farbe verändert sich je nach Betrachtungswinkel, woraus ein interessantes Lichtspiel entsteht. Dies ist ein sehr willkommener Effekt. Schliesslich wird man damit dem Metallgewebe gerecht und die Materialauthentizität wird gewahrt.
Das gewählte Gewebe vom Typ LAGO 42 spezial wurde im Standardwerkstoff für Architekturmetallgewebe Edelstahl 1.4404 gefertigt. Die obere Befestigung ist direkt in den dahinterliegenden Stahlbau integriert und mit genau abgestimmten Einhängepunkten fix befestigt. Da die Gewebe sehr genau hergestellt werden können, ist nur unten ein Spannmechanismus eingesetzt. Mittels Rundstangen und Augenschrauben sind die Gewebe in das Winkelprofil gespannt, das wiederum am Stahlbau befestigt ist. Die statische Dimensionierung, die nebst Gewicht auch die Windlast und die Auslenkung der Gewebe berücksichtigt, gibt vor, mit wie viel Kraft die Seile zu spannen sind.
Schräger Verlauf
Über dem Eingang verläuft der dahinterliegende Stahlbau schräg. Diese Gegebenheit könnte bei der Herstellung der Gewebeelemente zu Problemen führen. Schliesslich werden die Gewebe im aufgerollten Zustand angeliefert und der schräge Verlauf kann somit nicht vorkonfektioniert werden. Da das Konfektionieren auf der Baustelle erfolgen musste, wurde auf das patentierte Klebesystem Fusiomesh zurückgegriffen. Dabei wurden zwei Flachprofile nicht nur miteinander verschraubt, sondern zusätzlich auch noch verklebt. So kann sichergestellt werden, dass die Kraftverteilung nicht nur punktuell bei der Verschraubung übernommen wird, sondern auf die ganze Länge des Profils. Um die Auslenkung der fast sechs Meter breiten und über neun Meter hohen Elementen zu reduzieren, wurde das Gewebe jeweils nach dem Spannen auf mittlerer Höhe mit Schrauben an die dahinterliegende Stahlkonstruktion befestigt.
Das gewünschte Gesamtbild in Farbe und Form entspricht voll und ganz den Erwartungen der Bauherrschaft und der Architektekten. Die rote Wand von Contone und somit auch die Corporate Identity der Möbel Pfister AG werden sich beim vorbeifahrenden Publikum schon bald einprägen und es hoffentlich zum Anhalten motivieren.