April 2017
April 2017

Begrüntes Wohnhochhaus setzt Akzente

FASSADENSYSTEME

Buchner Bründler Architekten haben mit dem «Garden-Tower» in Wabern bei Bern ein markantes Hochhaus entwickelt. Speziell daran ist, dass über die ganze Höhe des Gebäudes ein Metallnetz gespannt ist, das Geländer und Brüstungen verzichtbar macht und zudem der natürlichen Begrünung weitgehend freien Lauf lässt.


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Zum vorgegebenen Entwurfsthema «Wohnen mit Aussicht» haben die Architekten ein für die Region wohl einmaliges Hochhaus entwickelt, das nicht nur die umgebende Landschaft in Szene setzt, sondern auch eine durchgehende Fassadenbegrünung in die umlaufenden Balkone integriert. Über die gesamte Höhe des Gebäudes ist anstelle von Brüstungen und Geländern ein Metallnetz gespannt, an dem sich Kletterpflanzen hocharbeiten werden. Einzelne Bereiche sind für den Blick ausgespart. Die horizontalen Linien werden also mit der Zeit hinter dem grünen Vorhang des «Garden-Towers» zurücktreten, so dass der Baukörper als Ganzes betont wird. Hinter diesen Schichten umschliesst die Ebene der Glasfassade den vertikalen Kern.
Natur in der Architektur
Die Besonderheit dieser Bauaufgabe liegt – gemäss Architekt Andreas Bründler – darin, dass das Gebäude in einem grösseren Kontext steht, der ein städtebauliches Geflecht aus fünf Baufeldern aufspannt. Jedem dieser Baufelder wurde ein Thema zugeordnet, dasjenige der Buchner Bründler Architekten lautete «Wohnen mit Aussicht». In dieser Situation erfolgte der konzeptuelle Entwurf ohne die Kenntnis der Nachbarsgebäude dieser Siedlung, aber im Dialog mit der Umgebung. Die Architekten entschieden sich, in Zeiten der Verdichtung, auf ein Hochhaus zu setzten, das sich nicht nur allein zur Aussicht hin allseitig öffnet, sondern auch die umgebende Natur und ihre Lebensqualitäten, mittels der vertikalen Begrünung, direkt in die Architektur zu holen.
Freie Formen
Geprägt von der natürlichen Umgebung und den Bergen, die hinter dem Stadtrand von Bern emporragen, entwickelten sich naturnahe Formthemen. Gleich einer begrünten Felswand wird der Gebäudekern mit einem Garten aus vertikalem Grün umgeben. Steinern muten die als Sitzformen gedachten Aufbordungen und die in den Boden eingelassenen Pflanztröge an.
An die Stelle von kompakten Geländern tritt ein filigranes Metallnetz, um das Wohnen zur Landschaft hin durchlässig zu gestalten. Das Metallnetz reicht an manchen Stellen nur auf Brüstungshöhe, dann wiederum über das ganze Geschoss. Möglich ist dies durch ein umlaufendes Metallprofil, das mit den anderen Formelementen die Kontur der nahen Gebirgstopografie nachzeichnet. Komplexe Stahlkonstruktion
Die an den Beton befestigten Stahlbügel, die als Geländer und Netzhalterung dienen, sind aus Vierkantrohren RRW 200 ² 200 ² 8 mm gefertigt. Insgesamt wurden 1017 Meter dieser zwei- und dreidimensional verlaufenden Profile verbaut. Die längsten Elemente weisen Längen bis 20 Meter mit nur einer Mittelstütze auf. Die Eckausbildungen sind aus Stahlblechen zu Kastenträgern mit mehrdimensionalen Formen verschweisst und übergangslos an die Vierkantrohre angeglichen. Die Schweissnähte der stark belasteten Teile wurden durch verschiedene Verfahren geprüft und die Ergebnisse entsprechend dokumentiert. Die Entwässerung der Blumentröge, an denen die Stahlbügel anschliessen, erfolgt über ein in den Stahlprofilen eingebautes Schlauchsystem gegen aussen. Zur Gewährleistung der erforderlichen Massgenauigkeit wurden alle für die Konstruktion
relevanten Punkte am Massivbau dreidimen-sional vermessen was eine nahezu toleranzfreie Konstruktion ermöglichte.
Nahtlose Seilnetzfassade
Das filigrane, sich über rund 3600 m2 Fläche ausbreitende Edelstahlnetz weist Maschenweiten von 80 mm auf. Es ist mit einem dünnen Edelstahlseil an durchlaufende Rundstähle von 25 mm Durchmesser gebunden. Diese Rundstähle sind einerseits an den erwähnten Vierkantrohr-Konstruktionen angeschweisst oder mit über 4500 Konsolen an den Beton befestigt. Insgesamt wurden 2,7 km dieser Rundstähle verbaut. Die einzelnen Netzbahnen, welche sich über die 16 Stockwerke erstrecken, weisen keinerlei Vertikalstösse auf. Alle Netzteile sind nahtlos miteinander verbunden.