September 2017
September 2017

Aktiv-Stadthaus für die Zukunft

SOLARTECHNIK

In Frankfurt wurde soeben Europas vermutlich grösstes Plusenergie-Wohngebäude eingeweiht. Die Technik wirkt darin eher im Verborgenen; die Bewohner profitieren von der Lage und dem intensiven Aussenbezug ihrer Wohnungen. Zudem können sie ihren Energieverbrauch sowie den Energiegewinn laufend abrufen.


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Das solare Bauen mit seinen heutigen Möglichkeiten schränkt die Architektur nicht ein, sondern gibt ihr neue Aufgaben – und neue Freiheitsgrade. Der Aufgabe, vor die sich die Planer des bislang wohl grössten Plusenergie-Wohnhauses in Europa gestellt sahen, kann man getrost die Präzisierung «Herkules» voranstellen. Denn eigentlich gelten solare Selbstversorger-Bauten dieser Grösse und Kompaktheit als nicht realisierbar – zu hoch die Bewohnerdichte und damit der Energieverbrauch im Gebäude, zu niedrig die zur Verfügung stehenden Solargewinnflächen.
Fünf Jahre dauerten Planung und Bau des Neubaus, und diese, so Architekt Manfred Hegger, «waren auch nötig». Heggers Büro HHS Planer + Architekten aus Kassel hat das Aktiv-Stadthaus gemeinsam mit den Energieplanern EGS-Plan aus Stuttgart und den Tragwerksingenieuren Bollinger + Grohmann realisiert; die Bauleitung oblag dem Büro Schneider + Schumacher. Bauherrin ist die stadteigene Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding.
Ein «Handtuchgrundstück» in Bestlage
150 Meter lang und nur 9 Meter breit ist das Baugrundstück, das zuvor als Parkplatz diente und lange Zeit als nahezu unbebaubar galt. Dass man es nun dennoch versuchte, hat viel mit der Lage zu tun: Das Haus liegt keine zehn Gehminuten vom Frankfurter Hauptbahnhof und nur zwei Baublocks vom Mainufer entfernt. Seine Süd- und Solargewinnseite ist zugleich die Lärmseite, hier führt die viel befahrene Speicherstrasse vorbei. Nach Norden orientiert sich das Gebäude zu einem baumbestandenen, hofartigen Platz.
Insgesamt 74 Wohnungen verteilen sich auf die sieben Obergeschosse; im Erdgeschoss sind zwei Ladenlokale sowie eine öffentliche Car-Sharing-Station für Elektromobile untergebracht. Deren Batterien sollen aus den Stromüberschüssen der Photovoltaikanlagen auf dem Dach und in der Fassade geladen werden. Alle Wohnungen verfügen über einen privaten Aussenbereich, teils als Loggia auf der Südseite, teils als Balkon an den Gebäudeenden sowie an der Nordfassade.
PV-Fassade auf der Südseite
Die PV-Fassade mit ihren 350 Modulen ist sicher das sichtbarste Zeichen dafür, dass dieser Neubau etwas anders funktioniert als herkömmliche Wohngebäude. Dazwischen ziehen sich lichtgraue Brüstungsbänder aus Faserzement (die Brüstungen sind in den Wohnungen nur 50 Zentimeter hoch, was dem intensiven Aussenbezug der Wohnungen sehr zugutekommt) über die gesamte Gebäudelänge. Die sanfte Faltung der Strassenfront dient vor allem dazu, die exorbitante Gebäudelänge optisch etwas zu gliedern; ausserdem vergrös-sert sie die Fläche, die für die Solarstromerzeugung zur Verfügung stand, zusätzlich. Die Nordfassade ist hingegen vollflächigmit Faserzementtafeln verkleidet. Sie wird vor allem durch die Balkone mit ihren massiven Betonbrüstungen gegliedert.
Die Technik hält sich im Hintergrund
Auch das auffallende Pultdach ist in Form, Grösse und Neigung auf einen maximalen Solarertrag abgestimmt. Es trägt insgesamt 750 hocheffiziente PV-Module, die den Löwenanteil des Solarstroms für das Gebäude liefern. Im zurückgesetzten Dachgeschoss wird die Bedeutung des Begriffs «Durchwohnen» spürbar: Bei Raumtiefen von nur sieben Metern meint man, auf beiden Seiten mitten im Frankfurter Stadtleben zu stehen.