August 2025
August 2025
27.08.2025

Schutz vor Vandalismus

Neue ift-Richtlinie EI-06/1 definiert Anforderungen, Prüfungen und Nachweise

Blinde Zerstörungswut und Vandalismus – Vandalen haben keine Scheu vor der Öffentlichkeit, auch das Täterverhalten und die eingesetzten «Werkzeuge» sind anders als bei Einbrechern. Das ift Rosenheim hat deshalb zusammen mit von Vandalismus Betroffenen und Herstellern von Bauelementen die ift-Richtlinie EI-06/1 «Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen» erarbeitet, in der das typische Vorgehen, Werkzeuge, reproduzierbare Abläufe und mögliche Gefährdungsklassen definiert werden.

Ziel ist es, Gebäude und Menschen in öffentlichen Bereichen sowie an stark frequentierten und gefährdeten Orten besser vor mutwilliger Zerstörung und Gewalt zu schützen. Auf dieser Basis können Bauherren und Planer geeignete Anforderungen festlegen und Produkte ausschreiben.
Bei Grossveranstaltungen (Demonstrationen, Sportveranstaltungen u. a.) verstören die Bilder von Vandalismusangriffen. Betroffene wie Betreiber von Einzelhandelsgeschäften oder öffentlichen Gebäuden fragen sich, wie sie die Immobilie und die Menschen darin vor der Gewalt schützen können. Einbruchhemmende Bauteile sind für diese Form der Gewalt nur bedingt geeignet, denn die «Vandalen» treten gemeinsam öffentlich in Aktion und benutzen massiv alle Mittel, die gerade verfügbar sind. Das reicht von Pflastersteinen über Eisenstangen von Baustellen oder Verkehrsschildern bis hin zu Müllcontainern und Schachtdeckeln als «Rammen». Vorprüfungen an einbruchhemmenden Fenstern, Verglasungen und Türen zeigten deutlich, dass beim Vandalismus gänzlich andere Belastungen auftreten als bei der Einbruchprüfung.

 

Die ift-Richtlinie EI-06/1 «Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen» ermöglicht die Prüfung, Klassifizierung und Ausschreibung geeigneter Bauelemente, um gefährdete Gebäude besser vor Vandalismus zu schützen.
Die ift-Richtlinie EI-06/1 «Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen» ermöglicht die Prüfung, Klassifizierung und Ausschreibung geeigneter Bauelemente, um gefährdete Gebäude besser vor Vandalismus zu schützen.

Täter agieren als Gruppe mit massiver Gewalt

Die Täter beim Vandalismus agieren als Gruppe eher spontan mit massiver Gewalt, aus der Masse heraus und ohne Angst, beobachtet, gefilmt oder belangt zu werden – oft sogar trotz Polizeipräsenz. Es geht den Tätern meistens um Zerstörung (Bushaltestellen, Werbeträger, Autos, Einrichtungen, Fassaden, Verkaufsstätten etc.), aber auch darum, durch zerstörte Bauelemente in ein Gebäude einzudringen, um dort weitergehende Schäden durch Brandsätze u.a. zu verursachen oder einfach nur, um zu plündern. TV-Berichte und Videos von Vandalismusangriffen in sozialen Netzwerken  zeigen, mit welch brachialer Gewalt hierbei vorgegangen wird.
Das ift Rosenheim hat deshalb eine Arbeitsgruppe gegründet, bei der von Vandalismus Betroffene sowie Hersteller und beratende Gruppen vertreten waren. Gemeinsam wurden ein typisches Täterverhalten, «Werkzeuge», reproduzierbare Abläufe und mögliche Gefährdungsklassen definiert. Gebäude (und damit auch die Menschen darin) sollen vor mutwilliger Zerstörung und Gewalt in öffentlichen Bereichen sowie stark frequentierten und gefährdeten Orte besser geschützt werden.

Produktprüfungen nach ift-Richtlinie EI-06/1 «Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen».
Produktprüfungen nach ift-Richtlinie EI-06/1 «Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen».

Für Türen, Tore, Fassaden, Fenster und Verglasungen

Die ift-Richtlinie EI-06/1 «Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen» gilt für Türen, Tore, Fassaden sowie Fenster und Verglasungen. Es werden Prüfverfahren, Klassifizierung nach Tätergruppen, Schadensrisiko und Eintrittswahrscheinlichkeit beschrieben sowie Einsatzempfehlungen für geeignete Widerstandsklassen definiert. Vandalismushemmende Bauelemente sind widerstandsfähiger gegen einen Direktangriff. So werden teure Folgeschäden in Gebäuden inkl. der Einrichtung minimiert und der Schutz der körperlichen Unversehrtheit der Gebäudenutzer verbessert. Geprüft wird der Widerstand gegen Vandalismus an einem betriebsfertig montierten Element mit allen erforderlichen Komponenten (Zarge, Verglasung, Füllung, Schlösser und Bänder sowie Verriegelungskomponenten). Varianten mit unterschiedlichen Öffnungsarten werden einzeln geprüft und bewertet. Mit der Richtlinie können geeignete Bauelemente geprüft, klassifiziert und ausgeschrieben werden.

Übliche «Werkzeuge» bei Vandalismusangriffen in der Praxis.  ( Im Print bei Bedarf weglassen )
Übliche «Werkzeuge» bei Vandalismusangriffen in der Praxis.  ( Im Print bei Bedarf weglassen )

Zertifizierung entscheidend

Wie bei einbruchhemmenden Bauteilen ist auch bei vandalismushemmenden Produkten die Sicherstellung der Produktqualität durch eine Zertifizierung entscheidend. Durch eine regelmässige Fremdüberwachung wird geprüft, ob die hergestellten Bauelemente die Vorgaben und Eigenschaften der geprüften Produkte erfüllen. Erst mit einer Zertifizierung dürfen vandalismushemmende Bauelemente als geprüfte und zertifizierte Produkte mit einer entsprechenden Klassifizierung in den Markt gebracht und gelistet werden.
Eine besondere Bedeutung für die Funktion dieser Bauelemente hat die Montage im Objekt – also die komplette Baukörperanschlussfuge mit Abdichtung und Befestigung der Elemente zum Baukörper. Deshalb muss der Hersteller eine detaillierte Anleitung für die fachgerechte Montage zur Verfügung stellen, deren Umsetzung auch bei der Zertifizierung beachtet wird.
Weitere Infos: www.ift-rosenheim.de   ■    Hier QR-Code einsetzen !

Tabelle mit Beschreibung der Tätergruppen und der Schadensrisiken gemäss EI-06/1 «Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen».  I m Print bei Bedarf weglassen
Tabelle mit Beschreibung der Tätergruppen und der Schadensrisiken gemäss EI-06/1 «Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen».  I m Print bei Bedarf weglassen