WPQR als strategisches Instrument der Fertigungssicherheit
Schweissen: Qualität mit Nachweis
Warum normgerechte Verfahrensqualifikation nicht nur Pflicht, sondern wirtschaftlicher Vorteil ist.
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Schweissen: Qualität mit Nachweis
WPQR als strategisches Instrument der Fertigungssicherheit
Warum normgerechte Verfahrensqualifikation nicht nur Pflicht, sondern wirtschaftlicher Vorteil ist.
In einer industriellen Umgebung, die von hohen Qualitätsanforderungen, internationaler Normung und starker Haftung geprägt ist, ist die Qualifizierung von Schweissverfahren (WPQR – Welding Procedure Qualification Record) der Dreh- und Angelpunkt der Fertigungssicherheit. Die Normenreihen EN ISO 15614 und EN ISO 15613 sind dabei nicht nur Referenz, sondern tägliches Werkzeug: Sie übersetzen Erfahrungswissen in reproduzierbare Prozesse und schaffen Vertrauen bei Kunden, Behörden und Auditoren. Dieser Artikel beleuchtet den strategischen Nutzen des WPQR.
WPQR – vom Nachweis zum Wettbewerbsvorteil
Der WPQR ist mehr als ein technisches Dossier. Er ist der belastbare Nachweis, dass ein spezifisches Schweissverfahren unter definierten Rahmenbedingungen reproduzierbar und konforme Ergebnisse liefert. Unternehmen, die ihren WPQR-Bestand aktiv managen, profitieren mehrfach: weniger Nacharbeit, geringere Ausfall- und Reklamationsquoten, schnellere Audit-Freigaben sowie eine klare Basis für die Ableitung eindeutiger, bedienbarer WPS (Welding Procedure Specifications) für die Produktion. Aus einem WPQR können mehrere WPS abgeleitet werden – stets innerhalb des jeweiligen Gültigkeitsbereichs.
Normativer Rahmen – EN ISO 15614 & EN ISO 15613
Die EN ISO 15614 (Teile -1 bis -14) regelt standardisierte Verfahrensprüfungen an genormten Prüfkörpern. Die EN ISO 15613 erlaubt die Qualifizierung anhand von Arbeitsproben bzw. repräsentativen Bauteilen, wenn Standardprobekörper nicht praktikabel sind (z. B. bei grossen Bauteilen, komplexen Geometrien). In beiden Fällen gilt: Dokumentation, Nachverfolgbarkeit und Bewertung erfolgen nach strengen Vorgaben – und bilden zusammen den WPQR als formalen Nachweis.
Ablauf der Verfahrensqualifizierung – vom pWPS zur WPS
Der Qualifizierungsprozess folgt einem klar strukturierten Ablauf. Die folgenden Schritte haben sich als Best Practice etabliert und decken die Kernanforderungen der EN ISO 15614/-15613 ab.
1. Erstellung einer vorläufigen Schweissanweisung (pWPS)
Definition aller relevanten Parameter:
- Schweissnahtvorbereitung
- Grund- und Zusatzwerkstoffe
- Schweissparameter (Strom, Spannung, Schweissgeschwindigkeit)
- Vor- und Nachbehandlung
- Wärmeführung
2. Durchführung der Verfahrensprüfung
Die Testschweissung wird unter Aufsicht einer anerkannten Prüfstelle durchgeführt. Dabei erfolgt eine lückenlose Dokumentation und Kontrolle folgender Parameter:
• Schweissstrom und Schweissspannung
• Schweissgeschwindigkeit
• Streckenenergie
• Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur
• Grundwerkstoff (Werkstoffnummer, Charge, Abmessungen)
• Zusatzwerkstoffe (Typ, Chargennummer, Durchmesser)
• Schutzgas (Zusammensetzung, Durchflussmenge)
• Wärmeeinbringung pro Lage
• Anzahl und Reihenfolge der Lagen
• Pendeltechnik und Schweissrichtung
• Nahtart und Position
• Umgebungsbedingungen wie Temperatur
3. Zerstörungsfreie Prüfungen (ZfP)
Sichtprüfung (VT) als Pflicht, abhängig vom Fall zusätzlich RT oder UT zur Beurteilung innerer Unregelmässigkeiten; PT/MT zur Oberflächenrissprüfung.
4. Zerstörende Prüfungen (ZP)
Zugversuche, Biegeversuche, Kerbschlagbiegeversuche, Härteprüfung, Makro-, ggf. Mikroskopie.
5. Bewertung und Abnahme
Die Auswertungen erfolgen durch eine zertifizierte Stelle. Bei positivem Ergebnis erfolgt die Ausstellung des WPQR-Dokuments.
6. Ableitung der WPS
Nach Freigabe durch die Schweissaufsichtsperson im Unternehmen erfolgt die Integration in die Fertigungsprozesse. Der WPQR dient als Nachweis bei Audits und bildet die Grundlage für die Erstellung der endgültigen Schweissverfahrensanweisungen (WPS). Aus einem WPQR können mehrere WPS generiert werden.
EN ISO 15613 – der praxisnahe Weg über Arbeitsproben
Die EN ISO 15613 beschreibt die Qualifizierung von Schweissverfahren auf Basis von Vorabbemusterungen. Sie kommt dann zur Anwendung, wenn eine Verfahrensprüfung nach EN ISO 15614 nicht möglich oder nicht ausreichend repräsentativ ist – etwa bei sehr grossen oder komplexen Bauteilen, bei Reparaturaufgaben oder bei Fertigungssituationen, die nur unter produktionsähnlichen Bedingungen abgebildet werden können.
Abgrenzung zur EN ISO 15614
Die EN ISO 15613 beschreibt die Qualifikation anhand eines echten oder prototypischen Bauteils. Diese Vorgehensweise ist zulässig, wenn keine genormte Prüfkörpergeometrie praktikabel ist.
Bedeutung in der Praxis
Die EN ISO 15613 ermöglicht es, Verfahrensprüfungen auch für aussergewöhnliche Anwendungen normkonform durchzuführen. Sie verbindet realitätsnahe Produktionsbedingungen mit den Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit – und ist damit besonders relevant für Reparatur- und Sonderfertigungen, etwa im Energieanlagenbau, Turbinenservice oder bei Einzelfertigung hochbeanspruchter Komponenten.
Gültigkeitsbereich – der Einsatzrahmen des WPQR
Der WPQR definiert den technischen Rahmen, in dem das Verfahren gültig eingesetzt werden darf. Dieser Bereich ergibt sich aus Prüfkörper, Parametern und erzielten Ergebnissen – und ist für Audits und Kundenfreigaben massgeblich. Typische Dimensionen des Gültigkeitsbereichs sind:
• Werkstoffgruppierung nach ISO/TR 15608
• Dickenbereiche
• Nahtarten und Verbindungsformen
• Schweisspositionen
• Prozessvarianten und Schutzgase
• Wärmebehandlung, Vorwärmung und zulässige Zwischenlagentemperatur
• Zulässige Parameterfenster z. B. Streckenenergie.
Unternehmen, die den WPQR aktiv als Steuerungsinstrument nutzen, realisieren messbare Vorteile: schnellere Inbetriebnahmen und Freigaben, belastbare Nachweise im Schadensfall, geringere Nacharbeit durch stabile Parameterfenster. Zudem stärkt ein sauber gelenkter WPQR-/WPS-Bestand die Lieferfähigkeit bei anspruchsvollen Kunden (z. B. Druckgeräte, Energietechnik, Bahn, Luft- und Raumfahrt) und erleichtert die internationale Zusammenarbeit.
Fazit mit Ausblick
Die Verfahrensqualifikation nach EN ISO 15614 und EN ISO 15613 ist kein administrativer Selbstzweck, sondern die tragende Säule industrieller Schweissqualität. Der WPQR schafft Klarheit über Machbarkeit und Grenzen – und übersetzt sich in robuste WPS für die Fertigung.
Besuchen Sie auf www.svs.ch oder schreiben Sie an info@svs.ch, wenn Sie Fragen zur Verfahrensqualifikation haben. ■