November 2015
November 2015

Von allem das Beste

INNOVATIVE FASSADENENTWICKLUNG

Mit einem KTI-Beitragsgesuch hat vor vier Jahren die Vision von zwei innovativen Unternehmern eine wichtige Hürde genommen. Das Ziel: ein rahmenloses Parallelausstellfenster zu bauen, das sich in einem Pfosten-Riegel-System mit lediglich 60 mm Ansichtsbreite unsichtbar integriert und dennoch alle Normanforderungen erfüllt. Nun wurde aus der Vision ein eindrückliches Produkt, das die Vorgaben auf dem Prüfstand in allen Belangen erreichte.


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Patrick Furrer und Gabriele Pillitteri hatten sich die Idee des rahmenlosen Parallelausstellfensters, kurz RLPAF genannt, vor einigen Jahren als Ziel gesetzt und 2012 ein Start-up-Unternehmen mit dem Namen GPF Innovation GmbH gegründet. Die beiden Unternehmer konnten bereits viel Erfahrung im nationalen und internationalen Fassadenbau sammeln und erkannten in diesem Produkt entsprechendes Marktpotenzial. Neben dem Tagesgeschäft ein solches Projekt zu stemmen, ist in Sachen Zeitaufwand und Finanzen schwer realisierbar. Hilfestellung fand sich in den Angeboten der Förderagentur für Innovation des Bundes KTI in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern, Departement Technik und Architektur, Kompetenzzentrum Fassaden- und Metallbau HSLU T&A CCFM.
Kommission für Technologie und Innovation KTI
Die Experten der KTI haben im Frühjahr 2012 den Antrag für die Entwicklung des RLPAF gutgeheissen und das Team, bestehend aus GPF Innovation GmbH als Hauptumsetzungspartner und der Hochschule Luzern HSLU T&A und der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW als Forschungspartner, konnte mit den Forschungsarbeiten beginnen. Die KTI fördert innovative Produkte und Dienstleistungen, indem sie Unternehmen motiviert, gemeinsam mit Hochschulen anwendungsorientierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte F&E durchzuführen. Dabei werden bis zu 50% des finanziellen Aufwands von der KTI übernommen. Jährlich werden hunderte solcher Projekte unterstützt. Die KTI fördert nach dem Bottom-up-Prinzip. Das heisst die Projektpartner definieren ihre Projekte selbst. Die geförderten Projekte etablieren die Schweiz als investitionswürdigen Wirtschafts- und Forschungsstandort und steigern die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft. Eine solche F&E-Projektförderung steht allen Disziplinen offen. Die Gesuche werden in Themengebiete eingeteilt und von den entsprechenden Experten beurteilt. Bewilligt werden jeweils die Projekte mit der höchsten Wissensgenerierung und Wertschöpfung.
Vom Reissbrett auf den Prüfstand
Ein RLPAF mit einer Grösse von 1,50 m Breite, 4,00 m Höhe und einem Gewicht von 360 kg in ein Korsett aus Kunststoff und Aluminiumprofilen mit Aussenmassen von 60 ¼ 200 mm zu zwängen, schien während der Planung oft aussichtslos. Mal war das Dreifach-Isolierglas zu schwer, dann die Scherenprodukte zu schwach oder die Ganzglas-Optik nicht umsetzbar. Vom Integrieren von Antriebsmotoren und Verriegelungsmechanik in der schmalen Tragstruktur ganz zu schweigen. Auch die anstehenden Bewitterungsprüfungen nach SN EN 13830 brachten dem Team immer wieder neue Herausforderungen, jedoch glaubte das Team stets an den Erfolg der Mission. Diese Prüfserie ist zwingend notwendig, um ein Produkt zu klassieren. Die Klassierung wiederum ist zwingend notwendig, um gemäss dem neuen Bauproduktegesetz BauPG eine Leistungserklärung zu erhalten. Innerhalb dieser Prüfserie werden unter anderem die Luftdurchlässigkeit und die Schlagregendichtheit von Fassade und Fenster ermittelt. Diese Eigenschaften können mit keinem Verfahren berechnet werden. Bei der Auslegung von neuen Produkten ist daher die Erfahrung der Teammitglieder die entscheidende Grösse. Zudem tut man gut daran, einige wichtige Teilprodukte wie die Verriegelungspunkte so auszulegen, dass diese noch am Prüfstand am Prototyp modifiziert werden können. Diese Optionen konnten denn auch am grossen Fassadenprüfstand in Horw auf dem Campus der HSLU T&A benutzt werden um den RLPAF bis zur geplanten Klassierung zu optimieren.
Merkmale
Das RLPAF besticht durch das besondere filigrane architektonische Erscheinungsbild im Vergleich zu herkömmlichen Parallelausstellfenstern. Im geschlossenen Zustand lässt sich sowohl von aus-sen wie von innen kein Unterschied zu einem festverglastem Feld in der Fassade erkennen. Neben einem optimalen Lüftungsquerschnitt durch den Kamineffekt im offenen Zustand kann das Produkt RLPAF auch hervorragende bauphysikalische Werte bieten, denn der rahmenlose Flügel besteht aus einer Dreifach-Isolierglaseinheit
(Ucw 0.9W/m2K). Der Lüftungsquerschnitt selbst ist in Bezug auf die Ausstelldistanz maximal, weil kein Flügelrahmen vorhanden ist, welcher die Öffnungsweite reduziert. In diesem Zusammenhang liefert die Minimierung der Flügelbauteile auch einen Beitrag an den Umweltschutz, weil weniger Metall- und Kunststoff auch weniger natürliche Ressourcen und graue Energie beanspruchen. Dazu kommen positive Effekte durch die Öffnung nach aussen, womit innen kein wertvoller Platz freigehalten werden muss, und die problemlose Integration in die Hausautomation. Auch der Ersatz oder die Austauschbarkeit von Flügelelementen ist durch die wenigen Anbauteile gut möglich. Und nicht zuletzt wird das Produkt durch die filigrane Ästhetik Architekten wie Bauherren gleichermassen begeistern.