November 2020
November 2020

Surber baut für Weltkonzern vielfältige Fassaden für Distributionszentrum

Fassadenbau

Ein Weltkonzern, tätig im Kosmetikbereich, erstellt in Galgenen ein neues Distributionszentrum. Die verschiedenen, in Schwarz und Weiss gehaltenen Fassaden verleihen dem Gebäude eine unverwechselbare Wirkung. Hersteller der transparenten Fassaden des Kopfbaus war die Surber Metallbau AG in Dietikon.


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Kopfbau mit Westfassade (links) und Südfassade. Rechts mit unbeheiztem Treppenhausturm sowie Picking & Handling-Fassade Süd.
Kopfbau mit Westfassade (links) und Südfassade. Rechts mit unbeheiztem Treppenhausturm sowie Picking & Handling-Fassade Süd.

Fassadenbau

Surber baut für Weltkonzern vielfältige Fassaden für Distributionszentrum

Ein Weltkonzern, tätig im Kosmetikbereich, erstellt in Galgenen ein neues Distributionszentrum. Die verschiedenen, in Schwarz und Weiss gehaltenen Fassaden verleihen dem Gebäude eine unverwechselbare Wirkung. Hersteller der transparenten Fassaden des Kopfbaus war die Surber Metallbau AG in Dietikon.

Text: Redaktion, Bilder: Albert Surber und ReBo & Partner AG, Zürich (Draufsicht)

Seit über 40 Jahren ist die international agierende Kosmetikunternehmung in der Schweiz tätig und baute ihr Engagement stetig aus. Mittlerweile gehört die Firma zu den grössten Arbeitgebern im Kanton Schwyz. Das in Galgenen, nach dem neuesten Stand der Technik erstellte Gebäude ergänzt das bestehende Distributionszentrum in Lachen. Die Unternehmung entwickelte hier am Oberen Zürichsee einen globalen Distributions Hub für den stark wachsenden Vertriebskanal Travel Retail. Hierzu gehören die Belieferung von Duty Free Shops mit ihren Flughäfen, Fluggesellschaften, dem Schiffsverkehr, Wiederverkaufsstellen in Städtezentren und Geschäften in den Grenzregionen in mehr als 120 Ländern. 
Der von IE Industrial Engineering aus Zürich als Generalplaner erstellte Neubau mit einer Nutzfläche von rund 21’000 m 2 , besteht aus einem dominanten Kopfbau mit verschiedenen teiltransparenten Fassaden sowie dem anschliessenden Hochregallager mit der komplett in Weiss gehaltenen Paneelfassade. Das Werk steht kurz vor der Vollendung.

Schwarz und Weiss für den Kopfbau

Die konsequent in Schwarz und Weiss pulverbeschichteten Fassaden verleihen dem 80 x 67 m breiten und 17 m hohen Kopfbau (ohne Attika) eine unverwechselbare Wirkung. Dabei verstärken die horizontal geführten Bänder diese optische Wahrnehmung. Ein Spiel mit hoher Wechselwirkung zwischen transparenten Pfosten-Riegel-Fassaden und weissen Bekleidungsprofilen. Surber plante, produzierte und montierte an diesem Bau rund 5000 m 2 Glas- und Metallfassaden. Die einzelnen, zum Teil unterschiedlich gestalteten Fassaden, resultieren aus den nutzungstechnischen Variablen der einzelnen Gebäudetrakte und lassen sich wie folgt gliedern:

Südfassade (von links nach rechts)
– Haupteingang, zweigeschossige Fassade und Cafeteria-Verglasung im Attikageschoss.
– In die Nische gesetzte Picking & Handling-Fassade
– Unbeheizter, vorgesetzter Treppenhausturm (je 1 Stück Süd- und Nordfassade)

Westfassade
– Teiltransparente Fassade über den Andockstellen der Trackdriver mit transparentem Vorbau.

Nordfassade
– Gebäudehohe transparente Fassade mit angrenzender Blech,- Glasfassade um das beheizte Treppenhaus.

Einheitliches Fassadensystem 

Obwohl sich die verschiedenen Vorhangfassaden an diesem Beton-Skelettbau in optischer Hinsicht wesentlich unterscheiden, basieren sie technisch gesehen auf denselben Profil- und Blechsystemen. Auffallend dabei ist die strenge Rasterung der Fenster, die von den Blechverkleidungen – jedoch in grösseren Abständen – exakt übernommen wird.
Für die verglasten Fassadenteile kamen generell Pfosten-Riegel-Profile zur Anwendung. Die inneren, tragenden Pfosten und Riegel bestehen aus Rechteckstahlrohren 100 x 60 x  3 mm. Als Verglasungssystem wählte die Surber Metallbau AG die geschweisste Aufsatzkonstruktion Raico Therm+. Die äusseren Aluminiumdeckleisten mit Ansichtsbreiten von 56 mm verschaffen den weitreichenden Verglasungen eine überzeugende Filigranität. Eine diskrete vertikale Betonung wird durch die um 3 mm vorstehende Vertikaldeckleiste erreicht (15 mm / 12 mm).
Für alle Warmfassaden-Verglasungen kamen neutrale 3-fach-Wärmeschutzgläser (Ug = 0,5 W/m 2 K) zum Einsatz. Ausgenommen der Treppenturm an der Südfassade, hier entschieden sich die Architekten für ein nicht reflektierendes Sonnenschutzglas. Die Aussenfluchten der umlaufenden Blechbänder sind gegenüber den äusseren Glasebenen konsequent um 200 mm vorgesetzt, was ihnen eine zusätzliche Dominanz verschafft.
Zur Beschattung der Innenräume sind sämtliche Glasfassaden mit aussenliegenden, selektiv automatisierten Rafflamellenstoren ausgestattet. Die Storenpakete sind diskret in den horizontal verlaufenden Blechbändern untergebracht und somit bei hochgefahrenen Storen nicht sichtbar.

Verschiedenste Tür- und Fensterelemente

Für die personengerechte Erschliessung des Gebäudes baute Surber verschiedenste Tür- und Fensterelemente im System Wicline 75 evo in die Pfosten-Riegel-Fassaden ein. Diverse Ansprüche wie Personenfrequenzen und Zutrittssysteme erforderten eine Vielzahl von unterschiedlichen Elementen. Von automatisierten Schiebetüren über Flügeltüren im Innen- und Aussenbereich bis hin zu Brandschutztüren ist alles dabei. Auch dreh-, kipp- und klappbare Fenster gehören dazu. Alle Tür- und Fensterelemente sind mit Magnetkontakten bestückt und gewährleisten mit ihrer Rückmeldung die angestrebte Sicherheit.

Haupteingang mit gläsernem Windfang

Ohne Zweifel: Der schützende Windfang zur Eingangshalle differenziert sich optisch und technisch zu den anderen Fassadenteilen. Direkt an der Südfront manifestiert sich der aussen angebaute Glaskubus auf eindrückliche Weise. Die Verglasung unterscheidet sich insofern zu den anderen Fassaden, dass diese als SG-Verglasung mit mechanischer Befestigung gebaut ist. Mit seinen schwarzen Ganzglasecken und den siebbedruckten Horizontalpaneelen im Dachrandbereich wirkt er einladend und edel.
Der Zugang wird über zwei seitlich angeordnete, automatische Schiebetüren gewährleistet. Der Haupteingang, der auch die Zutrittskontrolle regelt, befindet sich im Windfang und ist parallel zur Fassade ausgerichtet.
Die statische Konstruktion des Kubus wird von den einzelnen, innen angeordneten Pfosten gebildet. Diese sind mit horizontal verlaufenden Rechteckrohren im Dachbereich verbunden und bilden so die Tragjoche für das Dach. Der Dachaufbau besteht aus liegenden Montana-Profilblechen, Isolationsaufbau und Dachfolien. Eine flache, weisse Deckenuntersicht verdeckt die integrierten Installationen und reflektiert das Tageslicht.

Windfang mit Haupteingang.
Windfang mit Haupteingang.

Picking & Handling-Fassade

Zu den weiteren, von Surber gebauten Prunkstücken zählen wohl die beiden Picking & Handling-Fassaden an der Süd- sowie Nordfassade. Mit einer Höhe von rund 17 m und Breiten von je 42 m erstrecken sie sich über die ganze Gebäudehöhe (ohne Attikageschoss). Auffallend daran ist, dass diese Fassaden über die ganzen Flächen ausnahmslos im schwarzen Farbton gehalten wurden. Die transparenten Felder sind alle mit neutralem 3-fach-Wärmeschutzglas versehen. Nach feuerpolizeilichen Vorschriften sind motorisierte RWA- Flügel für Zu- und Abluft eingebaut.
In mittlerer Fassadenhöhe befindet sich der betonierte Zwischenboden mit Brüstung. Zur Verhinderung der Einsicht in diesem Bereich kamen isolierte Sandwichpaneele mit aussen aufgesetzten, im dunkeln Farbton siebbedruckten, Einscheibensicherheitsgläser (ESG) zum Einsatz. Markant zeichnen – auch an dieser Fassade – die gegenüber dem Glas vorstehenden Storenkasten-Bänder. Diese sind aus mehrfach abgekanteten Aluminiumblechen gebaut. Als Füllelemente direkt dahinter sind isolierte Sandwichpaneele im Pfosten-Riegel eingesetzt. Raumseitig sind hier als zusätzliche Zwischengeschosse zwei Leichtbauböden integriert. Diese dienen den 16 m hohen Pfosten auch als zusätzliche Befestigung und Lastabtragung.

Nordfassade mit Picking & Handling-Fassade mit unbeheiztem Treppenhausturm.
Nordfassade mit Picking & Handling-Fassade mit unbeheiztem Treppenhausturm.

Vorgesetzte Treppenturmverglasungen

Die beiden sich spiegelbildlich gegenüberstehenden Treppenturmverglasungen weisen einen L-förmigen Grundriss auf. Mit einer Breite von 7,0 m und einer Tiefe von 6,0 m bzw. 4,1 m auf der Nischenseite generieren sie bei einer Höhe von 20 m zusammen satte 940 m 2 freistehende Glas- und Blechfläche. Der Zugang zu diesen Flucht-Treppenhäusern erfolgt über die in die Gebäudefassade integrierten Notausgangstüren nach SN EN 179. Als Tragkonstruktion für die mehrgeschossigen Treppenanlagen sowie als statischer Grundpfeiler für die Fassade dient ein bauseits aufgerichteter Stahlturm. Für Eckstützen und Horizontalträger kamen mehrheitlich HEA 240 zur Anwendung. Im Gegensatz zu den anderen Fassaden mit ihren horizontalen Streifen werden hier die vertikalen Eckausbildungen durch rechtwinklige übereinander gestapelte Paneele optisch betont. Da diese beiden Treppenturmanlagen nicht beheizt werden, entschieden sich die Architekten wohl für dieselbe Pfosten-Riegel-Konstruktion, wählten jedoch ein 2-fach-Isolierglas. Auf der südseite in Kombination mit einem neutralen Sonnenschutzglas. Die Absturzsicherung gegen aussen wird mit den entsprechenden VSG-Aufbauten gewährleistet.

Die Picking & Handling-Fassade.
Die Picking & Handling-Fassade.

Attika-Verglasung für die Cafeteria

Wer die Aussicht bei einem Cappuccino geniessen möchte, der sollte sich die Fassadenfront in der Cafeteria, im Attika-Geschoss, anschauen. Gegenüber den unteren Fassaden ist sie, der West- und Südfassade folgend, etwas zurückversetzt. Zwei Einflügeltüren sowie eine grosszügige Hebe-Schiebe-Anlage (System Wicona) gewähren den angenehmen Austritt auf die Terrasse. Dominant darüber erstreckt sich ein von Drittunternehmern gelieferte Brise Soleil-Überdachung und schützt die Terrasse und Räume vor direkter Sonneneinstrahlung.

Unbeheizter Treppenhausturm anschliessend an die Picking & Handling-Fassade Süd.
Unbeheizter Treppenhausturm anschliessend an die Picking & Handling-Fassade Süd.

Trackdriver-Fassade

Mit einer Gesamtbreite von 80 m ist diese Westfassade die breiteste Fassade an diesem Kopfbau. Den Blickfang bildet wohl die obere, über zwei Geschosse führende Pfosten-Riegel-Fassade mit ihren weissen Blechbändern im Dachrand- und Zwischenbodenbereich. Direkt darunter, rund zwei Meter in den Raum geschoben, befindet sich die sogenannte Trackdriver-Fassade mit den 14 Andockstellen für LKWs. Hier liegt der physische Umschlagplatz für Waren. Im Unterschied zu den oberen Fassaden wurden die linienförmig zeichnenden Bekleidungsprofile in schwarzer Ausführung gewählt. Integriert sind in diese Fassade einzelne RWA-angesteuerte Kippflügel, die im Brandfall die gezielte Entrauchung gewährleisten.
In der Fassadenmitte, zwischen Andockstelle 8 und 9, befindet sich ein zweigeschossiger Vorbau. Dieser gewährleistet den Personenzugang für Administratives und dient als Verbindung in die Frachthallen. Auch diese, im Grundriss U-förmige Fassade ist als Pfosten-Riegel-Konstruktion gebaut und im Zwischenboden und Deckenbereich mit vorstehenden Storenkastenblechen bestückt.

Westseite: Trackdriver-Fassade mit den Doks.
Westseite: Trackdriver-Fassade mit den Doks.

 

«Aufgrund der Tatsache, dass wir für die hohen, stählernen Tragkonstruktionen der Pfosten-Riegel keine Rahmen geschweisst haben, sondern alles in Einzelprofilen auf die Baustelle lieferten, hatten wir doch eine riesige Menge an Einzelteilen zu bewältigen.»
Thomas Baumann

 

Warmfassade für das Treppenhaus

Ein weiterer Blickfang bildet die Treppenhauseinkleidung als hochisolierter Bestandteil der Westfassade. Während die weisse Fläche als hinterlüftete Blechfassade gebaut ist, entspricht der verglaste Teil der herkömmlichen Pfosten-Riegel-Fassaden. Auch hier sind die weissen Bekleidungsprofile vertikal übereinander gestapelt und auf horizontal durchlaufende Unterkonstruktionen verschraubt. Die vertikal durchlaufenden Pfostenprofile sind oben sowie unten eingespannt und geschossweise über Stahlkonsolen auf die betonierte Treppenanlage abgestützt. Zu Lüftungszwecken sind geschossweise automatisierte Kippflügel eingebaut.

Wärmegedämmte Treppenhausfassade auf der Nordseite.
Wärmegedämmte Treppenhausfassade auf der Nordseite.

Logistische Herausforderung

«Obschon diese grossen und zum Teil verwinkelten Fassaden alle auf demselben Pfosten-Riegel-System basieren, darf ihre Heterogenität nicht unterschätzt werden», erklärt Thomas Baumann, Senior-Projektleiter bei der Surber Metallbau AG, gegenüber der «metall» und fügt an: «Aufgrund der Tatsache, dass wir für die hohen, stählernen Tragkonstruktionen der Pfosten-Riegel keine Rahmen geschweisst haben, sondern alles in Einzelprofilen auf die Baustelle lieferten, hatten wir doch eine riesige Menge an Einzelteilen zu bewältigen. Dies erforderte eine ausgeklügelte Logistik, welche die Anlieferungen der Profillieferanten, der Blechbearbeiter, der Oberflächentechniker, aber auch von unserem Werk auf die Baustelle, situationsgerecht und just in time gewährleistete. Um unsere Zuschneiderei und die internen Umschlagplätze nicht zu überlasten, entschieden wir uns, die Rechteckstahlrohre nach unseren Toleranzvorgaben fertig zugeschnitten einzukaufen. Dies gab uns Freiraum für die weiteren Bearbeitungen».    ■

Bautafel / Panneau de chantier

Objekt:

Distributions-Center Kosmetikunternehmung, Galgenen

Generalplaner:

IE Industrial Engineering, Zürich

Bauingenieur:

HTB Ingenieurbüro AG, Pfäffikon SZ

Bauleitung:

ReBo & Partner AG, Zürich

Fassadenbau:

Surber Metallbau AG, Dietikon

 

Das Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik enthält im Kap. 2.8 wichtige Informationen zum Thema «Warmfassaden».