September 2026
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Brandschutz

Neue Brandschutzvorschriften ab Herbst 2027

Die revidierten Brandschutzvorschriften (BSV), ursprünglich für Anfang 2026 geplant, sollen im Herbst 2027 in Kraft treten. BSV-Projektleiterin Isabel Engels erklärt im Interview die Hintergründe und Ziele der Revision und was diese für die Metallbaubranche bedeuten.

Text: Daniel Roth / Bilder: Metaltec Suisse
Isabel Engels ist als Leiterin des Projektteams massgeblich an der Totalrevision der neuen Brandschutzvorschriften beteiligt .
Isabel Engels ist als Leiterin des Projektteams massgeblich an der Totalrevision der neuen Brandschutzvorschriften beteiligt .

 

Isabel Engels ist bei der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) beschäftigt und war zuvor Professorin an der Berner Fachhochschule BFH. Sie ist als Projektleiterin massgeblich an der Totalrevision der Brandschutzverordnung 2026 beteiligt.

Interview

Frau Engels, die Einführung der zukünftigen Brandschutzvorschriften wurde im Zuge der Brandkatastrophe in Crans-Montana auf den Herbst 2027 verschoben. Inwiefern hat dies den Revisionsprozess beeinflusst?
Die Verschiebung der politischen Vernehmlassung ermöglicht es, Erkenntnisse aus dem Brandereignis sowie die Ergebnisse aus den rund 11 000 Eingaben der technischen Vernehmlassung auszuwerten. Die Auswertung bringt wertvolle fachliche Inputs, die, wo sinnvoll, in die Vorschriften eingearbeitet werden.

Die Metallbaubranche hat zahlreiche schriftliche Eingaben im Zusammenhang mit der Vernehmlassung eingereicht. Was passiert mit diesen Eingaben?
Sämtliche Eingaben werden fachlich geprüft und in die Überarbeitung einbezogen. Die Rückmeldung erfolgt in Form der bereinigten Version für die politische Vernehmlassung. Weitere Informationen zum Vorgehen finden sich in der 11. Ausgabe des FOKUS BSV 2026 (Anm. d. R.: am Textende verlinkt). Sobald Entscheidungen getroffen werden, wird die VKF darüber informieren.

Welche Ziele wurden für die BSV 2026 gesetzt? Hat sich die inhaltliche Stossrichtung seither verändert?
Nein. Die grundlegende Stossrichtung der Revision ist unverändert geblieben. Die zentralen Ziele sind erstens eine konsequentere Risikoorientierung und zweitens die Vereinheitlichung des Vollzugs. Die Vereinheitlichung des Vollzugs ist eine wichtige Voraussetzung, um die Brandschutzvorschriften schweizweit kompetent und konsequent umzusetzen. Risikoorientierung bedeutet, dass Brandschutzmassnahmen stärker auf die tatsächlichen Risiken abgestimmt werden.
In den zukünftigen BSV wird die Risikoorientierung in sämtlichen Themenbereichen verankert. Beispielsweise werden Schutzziele zu allen Brandschutzmassnahmen aufgeführt. Damit wird einerseits deren Sinn dem Anwender besser vermittelt. Andererseits hilft es, Ersatzmassnahmen oder Umsetzungslösungen zielgerichtet zu erarbeiten. Zudem wurden Strukturen harmonisiert und die einzelnen Anforderungen klarer und möglichst funktional formuliert. Zum Beispiel werden die Eigenschaften von Gebäuden (Gesamthöhe, Raumhöhe etc.) und Personen (etwa die Fluchtfähigkeit, Vertrautheit mit dem Fluchtweg) differenzierter beschrieben. Die Notwendigkeit von Brandschutzmassnahmen im Brandfall wird dadurch nachvollziehbarer.

Welches sind aus Ihrer Sicht die Vorteile der neuen BSV?
Einer der grössten Vorteile ist, dass Sicherheitsmassnahmen gezielter dort umgesetzt werden, wo sie den grössten Nutzen für den Schutz von Personen und Gebäuden bringen. Gleichzeitig wird die Schnittstelle zwischen den Brandschutzvorschriften und den Regelwerken der Branchen gestärkt. Während die BSV die Schutzziele und Anforderungen definieren, können die Branchen in den Regelwerken material-, produkt- und systembezogene Lösungen für eine einheitliche Umsetzung dieser Anforderungen beschreiben – zum Beispiel für Durchdringungen brandabschnittsbildender Bauteile oder Anschlüsse für Vorhang- und Doppelfassaden. Dies erleichtert beispielsweise Architekten und Bauherrschaften die Anwendung bewährter Branchenlösungen. So kann die Branche ihre Fachkompetenz bündeln und Innovationen effizienter in die Praxis überführen.

Sehen Sie auch Nachteile gegenüber der früheren Version?
Nein, aber Herausforderungen: Mehr Flexibilität in der Umsetzung erfordert von den Beteiligten eine höhere Fachkompetenz. Aus- und Weiterbildung werden deshalb zu einem zentralen Erfolgsfaktor für die Betriebe. Hier können Verbände sowie die Berner Fachhochschule BFH einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Fachwissen vermitteln und praxistaugliche Umsetzungshilfen bereitstellen. Die BFH bietet Weiterbildung und Unterstützung an zum Beispiel am Fachkurs «Durchdringungen durch brandabschnittsbildende Bauteile», bei dem AM Suisse Partner war.

Was ändert sich spezifisch für die Metallbaubranche?
Grundsätzlich sind die Vorschriften stärker materialneutral formuliert als bisher. Die Bedeutung von Branchenwissen in Kombination mit Brandschutzwissen wird mit den neuen BSV weiter zunehmen. Die technologieoffenere Formulierung der Anforderungen eröffnet aus meiner Sicht Chancen für die Branche. Metallbaulösungen können insbesondere bei Fassaden, Brandschutzabschlüssen und weiteren Bauteilen, bei denen auch das Brandverhalten sicherheitsrelevant ist, eine wichtige Rolle spielen.

Was müssen Metallbaubetriebe tun, um den neuen Bestimmungen gerecht zu werden?
Metallbaubetriebe, die bereits heute mit den brandschutztechnischen Anforderungen an ihre Produkte und Systeme vertraut sind und die die brandschutztechnische Fachsprache beherrschen, sind auch für die zukünftigen BSV gut aufgestellt. Es lohnt sich jedoch, den Aufbau der neuen Vorschriften zu kennen und den risikoorientierten Ansatz zu verstehen. Dies erleichtert die Entwicklung projektspezifischer Lösungen und den fachlichen Austausch mit Planenden, Brandschutzfachleuten, Fachingenieuren und Behörden. Wichtig ist die saubere Bewirtschaftung der Schnittstellen zu angrenzenden Fachbereichen und der konstruktive Dialog mit allen Beteiligten. Wer die Risikoorientierung versteht und in der Praxis anwendet, wird die neuen Handlungsspielräume der BSV nutzen können.

Was ist aus Ihrer Sicht besonders wichtig bei der Umsetzung?
Eine gute Zusammenarbeit gelingt vor allem dann, wenn alle Beteiligten über die erforderliche Fachkompetenz verfügen, die Schutzziele verstehen und gemeinsam verfolgen. Aus- und Weiterbildung bleiben daher ein zentraler Erfolgsfaktor.
Besonders wichtig für die Metallbaubranche sind gute und praxisnahe Branchenregelwerke. Diese schaffen die Verbindung zwischen den Brandschutzvorschriften und der praxisgerechten Umsetzung. Sie sorgen dafür, dass die Anforderungen verständlich sind und einheitlich umgesetzt werden. Damit wird die Anwendung vereinfacht und die Qualität der Ausführung verbessert. Gleichzeitig erleichtern sie allen Beteiligten den Einsatz bewährter Produkte und Systeme der jeweiligen Branche.
Die BFH steht mit vertieftem Fachwissen in den Bereichen Gebäudehülle, Bauphysik und Brandschutz und Erfahrung bei Fenstern, Türen und Fassadensystemen unterstützend zur Verfügung.

Ist es sinnvoll, Vorschriften zu lockern, die in der Praxis aufgrund fehlender Überwachung nicht konsequent durchgesetzt werden? Sollte man nicht besser die behördliche Überwachung stärken?
Das Ziel der revidierten BSV ist nicht, Anforderungen zu lockern, weil diese bisher nicht umgesetzt wurden. Genauso wenig ist die Antwort auf jede Herausforderung eine verstärkte Kontrolle. Zielführender ist es, die fachliche Kompetenz von Eigentümern, Betreibern, Planenden und Ausführenden zu stärken und diese für ihre Verantwortung zu sensibilisieren. Die Qualitätssicherung und Eigenverantwortung bleiben wichtige Bestandteile des Brandschutzsystems. Die grösste Wirkung erzielen wir, wenn Vorschriften nachvollziehbar sind, von den Beteiligten verstanden werden und dort ansetzen, wo die tatsächlichen Risiken liegen.  

Weiterführende Informationen: VKF-Newsletter Nr. 11 – FOKUS BSV 2026 hier  ■ 

Terminplan (Änderungen vorbehalten)*

  

 
 

*Wie bei jedem Regelsetzungsprozess, insbesondere bei einer solch umfassenden Totalrevision, sind Anpassungen grundsätzlich bis zum Projektabschluss nicht ausgeschlossen.

Praxisnahe Brandschutz-Weiterbildungen

Ab Februar 2027 bietet die Berner Fachhochschule BFH die Kursreihe «BSV 2026 kompakt: verstehen, anwenden, umsetzen» an. Dozierende sind unter anderem Mitglieder des Projektteams zur Erarbeitung der BSV 2026.
Weitere Infos hier.