Mit Glas geschützte Räume schaffen
Sicherheitsglas
Bauteile und Konstruktionen in Europa müssen unabhängiger, stärker und sicherer werden. Das Bedürfnis nach Schutz wächst, und der Fokus auf die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden und Anlagen nimmt zu. Damit steigen auch die Anforderungen an Sicherheitsverglasungen. Wie sich diese entwickeln und welche Trends relevant sind, hat die Glasstec beim ift Rosenheim und bei Kuraray nachgefragt.
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Sicherheitsglas
Mit Glas geschützte Räume schaffen
Bauteile und Konstruktionen in Europa müssen unabhängiger, stärker und sicherer werden. Das Bedürfnis nach Schutz wächst, und der Fokus auf die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden und Anlagen nimmt zu. Damit steigen auch die Anforderungen an Sicherheitsverglasungen. Wie sich diese entwickeln und welche Trends relevant sind, hat die Glasstec beim ift Rosenheim und bei Kuraray nachgefragt.
In Anbetracht zunehmender Bedrohungen durch geopolitische Spannungen, Cyberangriffe und Naturkatastrophen erscheint ein verlässlicher Schutz kritischer Infrastruktur wichtiger als je zuvor. Hierzu gehören Anlagen, Systeme und Organisationen, die eine hohe Bedeutung für die Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Funktionen haben und deren Ausfall erhebliche Auswirkungen auf das Gemeinwesen hätte. So zum Beispiel Einrichtungen in den Bereichen Energieversorgung, Informationstechnik und Telekommunikation, Transport und Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung. Welche Einrichtungen (in Deutschland) unter die Regelungen des KRITIS-Dachgesetzes fallen, wird von den Bundesländern geregelt und bemisst sich nach quantitativen und qualitativen Kriterien. Ist beispielsweise eine Einrichtung essenziell für die Gesamtversorgung von mehr als 500 000 Personen, wird sie zur kritischen Infrastruktur gezählt.
Hinweis der Redaktion: Das KRITIS-Gesetz hat in Deutschland / der EU Gültigkeit. In der Schweiz herrschen jedoch sehr ähnliche Sicherheitsregeln.
Vandalismus und physische Angriffe
Ein hohes Risiko für öffentliche Gebäude, Verkehrsinfrastruktur oder Verwaltungsbauten liegt im Vandalismus, aber zunehmend auch in Sabotageaktionen – lautet die Einschätzung des ift Rosenheim. Das Täterverhalten im Vandalismus ist ein komplett anderes als zum Beispiel bei Einbrüchen, wie Dipl.-Ing. Jürgen Benitz-Wildenburg, Leiter PR und Technische Kommunikation beim ift Rosenheim, erläutert: «Die Täter agieren hierbei offen, meist impulsiv und mit improvisierten Werkzeugen, vom Pflasterstein über Strassenschilder bis hin zu Gullideckeln, die als Ramme eingesetzt werden. Gefährdete Bauelemente und Verglasungen müssen also gegen direkte Gewaltangriffe und nicht nur gegen verdeckte Manipulation von Einbrechern widerstandsfähig sein. Einbruchhemmende Bauteile sind deshalb nur bedingt geeignet.» Das ift Rosenheim hat darum mit einem Expertenkreis die ift-Richtlinie EI-06/1 «Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen» erarbeitet, in der das typische Vorgehen, Werkzeuge, reproduzierbare Abläufe sowie mögliche Gefährdungsklassen definiert werden. Entscheidend ist die manuelle Prüfung eines betriebsfertig montierten Elements (mit Beschlag, Zarge, Türblatt, Schloss, Verglasung etc.) mit unterschiedlichen Werkzeugen auf den Widerstand gegen Vandalismus – die Widerstandsdauer zählt. Wichtig ist auch die Zusatzanforderung «LS (Liquid Save)», bei der die Prüfer versuchen, eine durchgrifffähige Öffnung im Probekörper zu schaffen, die gross genug ist, um eine Flasche (Molotowcocktail) hindurchzustecken. Ziel ist es, Gebäude und Menschen vor mutwilliger Zerstörung und Gewalt in öffentlichen Bereichen sowie stark frequentierten und gefährdeten Orten besser zu schützen.
Auch im Markt zeigt sich eine Entwicklung hin zu höheren Schutzklassen, wie Jochen Regenauer, Head of Strategic Projects & Business Development EMEA bei Kuraray Europe, beobachtet: «Sicherheit ist ein Bereich der global wächst, wir stellen in den letzten Jahren einen massiven Anstieg fest. In Deutschland, im öffentlichen Bereich, wo ursprünglich mittlere Ansprüche galten, ist heute für Verglasungen die Schutzklasse P4A bereits die Regel.
Steigende Anforderungen durch Extremwetter
Neben Sicherheitsrisiken rückt auch der Schutz vor immer häufiger auftretenden Klimaextremen stärker in den Fokus, wie dem Risiko von Starkregen und Überflutungen, die längst nicht mehr nur Gebäude in Flussnähe betreffen. Benitz-Wildenburg erläutert: «Bei Starkregen und langanhaltenden Regenfällen sind normale Fenster und Türen oft nicht mehr ausreichend, um vor Wassereintritt zu schützen. Hier ist der Einsatz geeigneter Konstruktionen inkl. des Baukörperanschlusses notwendig, die entsprechend dimensionierte Verbundsicherheitsglas-Aufbauten erfordern.» Das ift Rosenheim prüft diese Bauteile darum gemäss der ift-Richtlinie FE-07 «Hochwasserbeständige Fenster und Türen». Die Prüfergebnisse und Klassifizierungen sind Grundlage für die Planung und Ausschreibung hochwasserhemmender Bauelemente.
Regenauer sieht die Entwicklungen ähnlich: «Beim Hochwasserschutz hat sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan. Da dies jedoch ein kommunales Thema ist, blieben die Massnahmen aus Budgetgründen bislang ausbaufähig.» Auch häufiger auftretende Stürme, Hurrikane und Taifune, je nach geografischer Lage, führen zu einer steigenden Nachfrage nach entsprechenden Schutzverglasungen, wie Regenauer berichtet.
Nachfrage steigt auf breiter Ebene
Das Sicherheitsverständnis bei Gebäuden erweitert sich zunehmend von der digitalen Abwehr hin zu physischen Schutzmassnahmen. Spezielle Abschirmgläser erzeugen einen Faraday-Käfig-Effekt und blockieren elektromagnetische Signale, wodurch sensible Bereiche in Behörden, IT-Infrastrukturen oder Rechenzentren geschützt werden können. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Sicherheitsglas in exklusiven Anwendungen, etwa für gepanzerte Fahrzeuge, VIP-Bereiche, hochbelastete Balustraden oder architektonische Sonderlösungen. ■
Austausch über Zukunftsthemen
Die Glasstec 2026 wird vom 20. bis 23. Oktober 2026 in Düsseldorf erneut die zentrale und impulsgebende Leitmesse für den Austausch über Zukunftsthemen der Glasbranche, mit den Hot-Topics Künstliche Intelligenz und Digitale Technologien, Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft. Erstmals zur Glasstec 2026 realisieren die Messe und das ift Rosenheim als Kooperationspartner die Sonderschau «sicher – innovativ – nachhaltig», die resiliente und sicherheitsrelevante Glaslösungen, auch für geschützte Räume und kritische Infrastrukturen, in den Mittelpunkt stellt.
Mehr Informationen: www.glasstec.de