Metallbauerin mit Leidenschaft
Wie finden Jugendliche einen Beruf, der wirklich zu ihnen passt? Für Éloïse Boschung, die im zweiten Lehrjahr zur Metallbauerin EFZ bei der Clerc Métal Sàrl in Chénens FR ist, führte der Weg über die Praxis. Informationen sammeln, verschiedene Berufe schnuppern und vor allem die Freude daran, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, hat ihr geholfen, die richtige Wahl zu treffen. Ihr Werdegang zeigt, wie entscheidend es ist, dass Jugendliche Berufe kennenlernen können.
Den passenden Beruf finden
Mit 15 oder 16 Jahren einen Beruf zu wählen, ist aufgrund der grossen Auswahl nicht einfach. Broschüren und Infos im Internet vermitteln einen ersten Eindruck, aber nichts ersetzt die echte Erfahrung in einer Werkstatt, auf einer Baustelle oder in einem Büro.
Éloïse fühlte sich schon immer zu handwerklichen Berufen hingezogen. «Ich erschaffe gerne etwas», sagt sie schlicht. Nach längerer Suche und zahlreichen Schnupperlehren entdeckt sie den Metallbau: «Das hat mir sofort gefallen.»
Ihr Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass Jugendliche verschiedene Berufe kennenlernen und selbst ausprobieren können. Eine Schnupperlehre führt nicht zwingend zu einem Lehrvertrag. Sie kann aber aufzeigen, wo die eigenen Stärken und Interessen liegen und vielleicht sogar die Begeisterung für einen Beruf wecken. Wenn Betriebe ihre Türen öffnen, erhalten Jugendliche einen direkten Einblick in den Berufsalltag und lernen die Vielfalt der Berufe kennen.
Ein Beruf im Wandel
Auch im Metallbau entwickeln sich die Möglichkeiten laufend weiter. Neue Techniken, Maschinen und Werkzeuge erleichtern die Arbeit und eröffnen neue Chancen. Moderne Hilfsmittel unterstützen beim Bewegen und Positionieren schwerer Bauteile, was gerade für junge Frauen ein Vorteil ist.
Diese Entwicklungen gilt es, den Jugendlichen zu zeigen. Die Arbeit als Metallbauerin ist vielfältig: Denn Metallbau ist mehr als nur körperlich schwere Arbeit. Gefragt sind Präzision, Denkvermögen, handwerkliches Geschick, Selbstständigkeit, Teamarbeit und technisches Können.
Éloïse ist ein gutes Beispiel dafür. Ihr Berufsbildner Yann Frossard beschreibt sie als «neugierig, aufmerksam, engagiert». Mit der Qualität ihrer Arbeit ist er sehr zufrieden. Auch in der Berufsfachschule und in den üK zeigt sein Schützling sehr gute Leistungen.
Begeistern und begleiten
Den Beruf bekannt zu machen, ist ein erster wichtiger Schritt. Aber auch während der Lehre, spielt der Betrieb für die berufliche und persönliche Entwicklung der Lernenden eine zentrale Rolle.
Yann Frossard ist die Stimmung im Betrieb besonders wichtig: «Die Jugendlichen achten sehr auf das Arbeitsklima im Unternehmen. Sie verbringen dort vier Jahre ihres Lebens und möchten in einem Umfeld arbeiten, in dem sie sich wohlfühlen.»
Ausbilden braucht Zeit und Mitarbeitende, die ihr Wissen und Können weitergeben. Gleichzeitig ist es bereichernd, mitzuerleben, wie Lernende Schritt für Schritt dazulernen und ihren Platz finden. Heute, im zweiten Lehrjahr, sagt Éloïse, «sie fühle sich im Betrieb wie auch in der Schule sehr wohl». ■
Den eigenen Weg finden: Éloïses Erfahrung
Éloïse Boschung und ihr Berufsbildner Yann Frossard sprechen über ihren Berufsalltag und darüber, was andere Jugendliche für den Metallbau begeistern könnte.
Éloïse, hattest du vor Beginn deiner Lehre Bedenken, in einen nach wie vor sehr männlich geprägten Beruf einzusteigen?
Nein, eigentlich nicht. Für mich stand im Vordergrund, einen Beruf zu lernen, der mir gefällt. Ich habe nicht besonders daran gedacht, «das einzige Mädchen» zu sein. Am Ende habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt.
Wie reagieren deine Arbeitskolleginnen und -kollegen, andere Berufsleute auf der Baustelle oder die Kundschaft?
Die Reaktionen sind sehr positiv. Alle begegnen mir in der Regel herzlich und respektvoll. Ich habe nicht das Gefühl, anders behandelt zu werden, weil ich eine Frau bin. Im Gegenteil: Die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, schätzen mich und meine Arbeit. Ich finde, heute ist es viel selbstverständlicher, dass auch Frauen in diesem Beruf arbeiten.
Was würdest du einem Jugendlichen sagen, die sich für den Metallbau interessiert, aber noch zögert?
Ich würde sagen: Wer motiviert ist und Freude am Metallbau hat, soll es ausprobieren und sich nicht von Vorurteilen einschränken lassen.
Die Sicht des Berufsbildners
Was hält Jugendliche Ihrer Meinung nach heute davon ab, sich für den Metallbau zu entscheiden?
Der Beruf verlangt eine gute körperliche Verfassung. Ich glaube aber, dass heute eher der Lärm und die schmutzigen Hände junge Leute zurückhalten.
Können die Betriebe dazu beitragen, diese Berufe attraktiver zu machen?
Jugendliche achten heute insbesondere auf das Arbeitsklima im Betrieb. Genau hier müssen wir ansetzen, um Jugendliche für eine Lehre zu begeistern.