September 2026
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Oliver Däschler, Präsident Metaltec Suisse, Zentralvorstand AM Suisse
Oliver Däschler, Präsident Metaltec Suisse, Zentralvorstand AM Suisse

 

«KI kann lesen, rechnen und vergleichen – aber sie zieht keine Schweissnaht und bringt keine Fassade ins Lot.»

 

KI nimmt uns Papier ab, nicht das Handwerk

Kaum ein Thema prägt die Gespräche in unserer Branche derzeit so stark wie die künstliche Intelligenz. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob KI in den Metall-, Stahl-, Fassaden- und Glasbau kommt. Sie lautet: Wo bringt sie uns wirklich weiter?

Im technischen Büro ist der Nutzen heute am deutlichsten. KI-Assistenten lesen hundertseitige Ausschreibungen, filtern Fristen, Nachweise und heikle Vertragsklauseln heraus, strukturieren Leistungsverzeichnisse und leiten aus IFC-Modellen erste Positionen ab. Was bisher Tage beanspruchte, ist in Stunden aufbereitet – der unternehmerische Entscheid, mit welchem Preis wir in den Wettbewerb gehen, bleibt beim erfahrenen Kalkulator. In der Administration übernehmen Sprachmodelle die Auftragsdatenerfassung aus E-Mails, Protokolle, Übersetzungen und Teile der Mängeldokumentation.
In der Produktion ist KI längst Realität. Bildverarbeitung erkennt Fehler in der Flachglasfertigung feiner als das menschliche Auge, Sensordaten melden Wartungsbedarf, bevor die Anlage steht, und Roboterzellen generieren Schweiss- oder Schleifprogramme direkt aus der Bauteilgeometrie – Programmierzeiten sinken von Stunden auf Minuten. Genau das macht Automatisierung erstmals für Einzelstücke und Kleinserien interessant, also für unsere Betriebe. Auf der Baustelle liefern Laserscan, LiDAR und Computer Vision das Aufmass im Bestand und den Soll-Ist-Abgleich vor der Elementmontage.
Darin liegt die eigentliche Chance: KI nimmt uns Papier ab, nicht das Handwerk. Sie ersetzt weder das Fachwissen, mit dem wir Architekten und Bauherrschaften zu Material und Konstruktion beraten, noch das Können, das in der Fabrikation und auf der Montage über die Qualität entscheidet. Sie schafft aber Kapazität – dort, wo uns Fachkräfte fehlen.
Natürlich gibt’s auch Risiken. KI formuliert Falsches so überzeugend wie Richtiges; wer Norminhalte ungeprüft übernimmt, haftet gleichwohl selbst, unsere Signatur unter Plan und Nachweis bleibt unteilbar. Betriebsdaten in offenen Modellen können Know-how preisgeben. Und – wenn Lernende Antworten abschreiben, statt Zusammenhänge zu begreifen, verlieren wir jenes Erfahrungswissen, das unsere Qualität ausmacht. Auch der Rechtsrahmen bewegt sich: Der Bund erarbeitet bis Ende 2026 die Vernehmlassungsvorlage zur KI-Konvention des Europarats, exportierende Betriebe treffen zusätzlich die EU-Vorgaben.
Mein Rat: Probieren Sie aus – aber legen Sie betriebliche Regeln fest, wer welche Werkzeuge mit welchen Daten nutzt und wer freigibt. KI-Kompetenz gehört künftig zum Berufsbild. Nutzen wir sie mit demselben nüchternen Innovationsgeist, der unseren Werkstoff seit jeher prägt: neugierig, präzise und verantwortungsbewusst.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.  ■