Golden gerahmt – filigran konstruiert
Architektur und Technik / Hauseingänge
Golden schimmernde Zargen und Füllungen setzen markante Akzente an den drei Treppenhausfronten des Sagiparks in Rafz. Im Zusammenspiel mit Glas und filigranen dunklen Metallprofilen entstanden eigenständige Fassadenelemente, hinter deren klarer Gestaltung anspruchsvolle Metallbautechnik steckt.
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Architektur und Technik / Hauseingänge
Golden gerahmt – filigran konstruiert
Golden schimmernde Zargen und Füllungen setzen markante Akzente an den drei Treppenhausfronten des Sagiparks in Rafz. Im Zusammenspiel mit Glas und filigranen dunklen Metallprofilen entstanden eigenständige Fassadenelemente, hinter deren klarer Gestaltung anspruchsvolle Metallbautechnik steckt.
Zwischen dem historischen Dorfkern und dem Bahnhof Rafz ist mit dem Sagipark ein Wohnquartier mit vier Mehrfamilienhäusern entstanden. Die als Hybridbauten konzipierten Gebäude kombinieren massive Innenwände und Betondecken mit einer Gebäudehülle, die wesentlich von Holz geprägt wird. Die Fassaden sind mit 32 cm Mineralwolle gedämmt, die Flachdächer in Holzbauweise erstellt. Die Wärmeversorgung erfolgt über das Fernwärmenetz.
In dieser von vertikalen Holzstrukturen bestimmten Architektur setzen die drei Treppenhausfronten einen bewussten Gegenakzent. Glas, dunkel beschichtete Metallprofile und golden schimmernde Flächen markieren die Zugänge zu den nach heimischen Bäumen benannten Häusern Lärche, Tanne und Föhre. Die Eingangsbereiche werden damit als eigenständige, über mehrere Geschosse reichende Bauteile ablesbar.
Besonders prägend ist die umlaufende goldfarbene Zarge. Sie fasst die Metall-Glas-Konstruktion wie einen grossformatigen Rahmen und schafft einen klaren Übergang zur Holzfassade. Innerhalb dieses Rahmens gliedern dunkle Pfosten und Riegel die Fläche in unterschiedlich grosse Glas- und Paneelfelder.
Die drei Fronten unterscheiden sich in Breite, Höhe und Feldeinteilung. Konstruktionsprinzip, Profilierung, Paneelaufbauten, Verglasungen, Oberflächenbehandlung und Türausrüstung sind dagegen identisch. So entstand eine gemeinsame gestalterische Sprache, ohne die Eingänge gleich auszubilden.
Filigrane Ansicht, tragender Stahl
Ausgeführt wurden die Metallbauarbeiten von der Blaser Metallbau AG in Andelfingen. Die Treppenhausfronten sind als Pfosten-Riegel-Konstruktionen mit äusseren Aluminium-Pressleisten und Deckschalen aufgebaut. Eingesetzt wurde das System Raico Therm+ S-I mit einer Ansichtsbreite von 56 mm.
Diese geringe sichtbare Profilbreite ist für die Wirkung entscheidend. Trotz der beträchtlichen Abmessungen bleibt der Raster fein. Die statischen Aufgaben übernimmt die innere Tragkonstruktion aus Rechteckstahlrohren 120 × 60 × 3 mm, Stahlqualität S235. Für die Dimensionierung wurden Windlasten von 1,0 kN/m² angenommen.
Besonders deutlich zeigt sich das Prinzip beim Haus Föhre. Die grösste der drei Fronten misst rund 4,50 m in der Breite und 7,30 m in der Höhe. Insgesamt 44 Felder bilden einen Raster aus transparenten Glasflächen und geschlossenen goldfarbenen Paneelen. Das über dem Eingang angeordnete Vordach bildet eine kräftige horizontale Linie und gliedert die hohe Front optisch in einen unteren und einen oberen Bereich.
Die Treppe zeichnet sich in der Fassade ab
Die scheinbar freie Verteilung der geschlossenen Felder folgt einem architektonischen Gedanken. Die teilweise stufenförmige Anordnung der goldfarbenen Paneele ist aus dem Verlauf der dahinterliegenden Betontreppe abgeleitet. Innenraum und Fassade treten damit in einen direkten gestalterischen Zusammenhang.
Von aussen entsteht ein wechselndes Bild aus Transparenz und geschlossenen Flächen. Je nach Blickwinkel und Lichtverhältnissen treten unterschiedliche Ebenen hervor: der dunkle Profilraster, Spiegelungen im Glas, die Treppe im Innern und die goldfarbenen Flächen.
Eine zusätzliche Ebene bilden die Baumdarstellungen auf Glas und Alucobond-Platten. Sie nehmen Bezug auf die Gebäudenamen und übertragen das Thema Lärche, Tanne und Föhre in die Metall-Glas-Fassade. Für die Ausführung galt es, grafische Gestaltung, Feldeinteilung und konstruktiven Aufbau präzise aufeinander abzustimmen.
Gold trifft auf dunkle Profile
Die Farbgebung gehört zu den wesentlichen Gestaltungsmitteln. Sämtliche Profile auf der Innen- und Aussenseite sowie die inneren Paneelflächen sind im dunklen Farbton NCS S 7500-N pulverbeschichtet. Dem nahezu neutralen Dunkelgrau stehen die goldfarbenen Aussenflächen gegenüber.
Für die Paneele und umlaufenden Anschlussbleche wurde Alucobond in der Optik «Desert Gold Nr. 921888» eingesetzt. Das Material prägt insbesondere die breite Zarge, welche die Front gegenüber der Holzfassade abgrenzt. Auch das Vordach nimmt diesen Farbton auf. Abhängig von Lichteinfall und Betrachtungswinkel verändert sich die Intensität des Goldtons, während die dunklen Profile als ruhige grafische Grundstruktur wirken.
Konstruktiv entspricht die Tiefe der umlaufenden Zarge mit rund 180 mm dem gesamten Aufbau der Pfosten-Riegel-Konstruktion. Der Rahmen ist damit kein lediglich vorgesetztes Gestaltungselement, sondern fügt sich in die konstruktive Tiefe der Front ein.
Was hinter den goldenen Flächen steckt
Die geschlossenen Paneelfelder sind mehrschichtig aufgebaut. Auf der Innenseite kommt 2 mm starkes Aluminiumblech zum Einsatz, die Aussenseite wird durch die Alucobond-Platten gebildet. XPS-Platten und Mineralwolle bilden die innere Auskleidung. Anschlussfolien gewährleisten die erforderliche Abdichtung und Dampfdiffusionsfähigkeit.
Gerade an diesen Übergängen zeigt sich ein wesentlicher Teil des metallbautechnischen Know-hows. Stahltragwerk, Aluminiumprofile, Verbundplatten, Dämmstoffe und Glas müssen innerhalb einer vergleichsweise schlanken Konstruktion zusammengeführt und dauerhaft an den Baukörper angeschlossen werden. Gleichzeitig sollen die technischen Übergänge das klar gezeichnete Fassadenbild nicht beeinträchtigen.
Glas nach Anforderung
Die festverglasten Fassadenfelder sind mit Dreifach-Isolierglas ausgeführt. Bei den Eingangstüren wurde dagegen aus Gewichtsgründen Zweifach-Isolierglas eingesetzt. Der Glasaufbau der Türelemente besteht aus Wärmeschutz-Isolierglas in ESG/VSG-Ausführung und erreicht einen Ug-Wert von 1,1 W/m²K. Die Verglasungen entsprechen den SIGAB-Richtlinien.
Die Differenzierung zeigt, wie innerhalb einer optisch einheitlichen Front unterschiedliche technische Anforderungen gelöst werden. Bei den Festfeldern stehen Wärmeschutz und Fassadenfunktion im Vordergrund. Beim Türflügel kommen Gewicht, Bedienkräfte, Beschlagtechnik und automatisierter Betrieb hinzu.
Auch der Übergang zum Boden wurde in die Konstruktion einbezogen. Vor den Fronten verläuft jeweils eine bodenbündig eingelassene Edelstahlrinne über die gesamte Breite. Sie nimmt das Meteorwasser auf und führt es kontrolliert ab.
Eingangstür als technische Schnittstelle
Die Eingangstüren sind mit dem Stahlprofilsystem Janisol ausgeführt und in die Pfosten-Riegel-Konstruktionen integriert. Hier treffen Metallbau, Zutrittsregelung, Sicherheitstechnik und automatisierte Bedienung unmittelbar aufeinander.
Zur Ausstattung gehören Edelstahl-Stossgriffe und Drücker sowie ein motorisches, selbstverriegelndes Panik-Sicherheits-Einsteckschloss MSL 15544PE-SV. Ein elektromechanischer Türantrieb ED250 von Dormakaba unterstützt die Begehung.
Für den Metallbauer bedeutet eine solche Eingangsanlage weit mehr als die Herstellung von Rahmen und Flügeln. Profilquerschnitte, Schloss, Antrieb, Verkabelung sowie die Schnittstellen zur Zutritts- und Gebäudetechnik müssen bereits während der Planung koordiniert werden.
«Die Herausforderung lag im Zusammenspiel der verschiedenen Anforderungen. Schlanke Profilansichten, Glas- und Paneelfelder, die tiefen Zargen und die technisch komplett ausgerüsteten Türen mussten so zusammengeführt werden, dass am Ende eine ruhige, präzise Front entsteht» , beschreibt Stefan Di Nolfi, Projektleiter der Blaser Metallbau AG, die Aufgabe.
Präzision beginnt in der Planung
Was am fertigen Gebäude als klarer Raster erscheint, verlangt eine detaillierte Werkplanung. Die drei Fassaden weisen unterschiedliche Abmessungen und Feldeinteilungen auf, während zahlreiche konstruktive Details gleich bleiben. Hinzu kommen Paneelpositionen, Verglasungen, Baumdarstellungen, Türtechnik und Anschlüsse an den Baukörper.
Blaser Metallbau plant die Bauteile mittels 3D-CAD in einer geschlossenen Cloud-Infrastruktur. Im Betrieb werden zudem Grundsätze der Lean-Produktion angewendet. Bei einem Projekt wie dem Sagipark unterstützt dies durchgängige Abläufe zwischen Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Fertigung und Montage.
Metallbau als Teil der Gesamtarchitektur
Neben den Treppenhausfronten führte Blaser Metallbau weitere Arbeiten aus. Dazu gehören die Vordächer mit tragender Stahlkonstruktion und goldfarbener Alucobond-Verkleidung. Die Entwässerung erfolgt jeweils über zwei nach aussen geführte Speier.
Bei den Balkonen kamen Geländer mit Bruag-Platten zum Einsatz, die zwischen die mit Holz verkleideten Gebäudestützen gesetzt sind. Hinzu kommen französische und durchlaufende Staketengeländer aus Stabstahl für Terrassen und Attikaebenen sowie Innengeländer, Handläufe und Sicherheitsgeländer.
Am deutlichsten sichtbar wird das Zusammenspiel von Architektur und Metallbautechnik jedoch an den drei Treppenhausfronten. Ihre Wirkung entsteht aus wenigen konsequent eingesetzten Mitteln: einer goldfarbenen Rahmung, einem filigranen dunklen Raster sowie dem Wechsel von transparenten und geschlossenen Feldern. Dass dahinter eine tragende Stahlkonstruktion, bauphysikalisch anspruchsvolle Paneele, unterschiedliche Verglasungen und umfangreiche Türtechnik stecken, ist den fertigen Fronten kaum anzusehen. ■
Bautafel
Objekt:
Sagipark, Rafz
Architektur / Bauleitung:
Schmidli Architekten und Partner AG
Metallbau:
Blaser Metallbau AG, Andelfingen