Geländer als architektonische Handschrift
Architektur und Technik
Filigrane Stahlkonstruktionen prägen das Wohnprojekt Eichhölzli in Glattfelden. Hier, wo Architektur Begegnung fördert, übernehmen Geländer weit mehr als eine reine Schutzfunktion. Bei diesem Neubauprojekt strukturieren sie Räume, definieren Blickbeziehungen und verleihen dem Gebäude eine unverwechselbare Identität.
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Architektur und Technik
Geländer als architektonische Handschrift
Filigrane Stahlkonstruktionen prägen das Wohnprojekt Eichhölzli in Glattfelden. Hier, wo Architektur Begegnung fördert, übernehmen Geländer weit mehr als eine reine Schutzfunktion. Bei diesem Neubauprojekt strukturieren sie Räume, definieren Blickbeziehungen und verleihen dem Gebäude eine unverwechselbare Identität.
Mit dem Neubauprojekt Eichhölzli ist in Glattfelden ein bemerkenswertes Beispiel zeitgemässer Nachverdichtung entstanden. Auf dem Areal einer Wohnsiedlung aus den 1980er-Jahren wurde ein neues Ensemble geschaffen, das bestehende Strukturen respektvoll weiterentwickelt und gleichzeitig neuen Wohnraum sowie gemeinschaftliche Nutzungen integriert. Herzstück der Überbauung bildet ein kompaktes Hofhaus in Holzbauweise mit 41 Wohnungen. Gemeinschaftsräume, Dachterrasse, Bibliothek, Fitnessraum und vielfältige Aufenthaltsbereiche fördern das Zusammenleben und machen die Siedlung zu einem lebendigen Ort der Begegnung.
Architektonisch wird das Gebäude von seinem markanten Betontragwerk geprägt. Zwischen diesen kraftvollen Strukturelementen entfalten die filigranen Metallgeländer ihre besondere Wirkung. Sie begleiten Laubengänge, Balkone und Treppenhäuser, schaffen Sicherheit und verleihen dem gesamten Bauwerk eine feine Ebene. Die Geländer sind damit nicht bloss funktionale Bauteile, sondern ein wesentlicher Bestandteil der architektonischen Gestaltung.
Hohe Komplexität
Für die Ausführung der Metallbauarbeiten zeichnete die Blaser Metallbau AG, Andelfingen verantwortlich. Bereits in der Planungsphase zeigte sich die hohe Komplexität des Projekts. Um die Grundlage für eine präzise Werkplanung zu schaffen, wurde der gesamte Bau innen wie aussen mit einem Leica-3D-Scanner erfasst. Die digitale Vermessung ermöglichte eine exakte Massaufnahme und die zuverlässige Übertragung der Geometrien in die Ausführungsplanung – eine wichtige Voraussetzung bei den zahlreichen Radien, unterschiedlichen Anschlussdetails und den hohen gestalterischen Anforderungen.
Balkongeländer
Besonders charakteristisch sind die Balkongeländer. Sie bestehen aus Flach- und Vierkantstahl und greifen die geometrische Sprache des Gebäudes konsequent auf. Die Vertikalstäbe verlaufen nicht parallel, sondern folgen einer bewusst gestalteten Linienführung. Vom Boden bis zum Zwischengurt neigen sie sich nach aussen, darüber wieder nach innen. Dadurch entstehen wechselnde Lichtfelder und ein lebendiges Fassadenbild, das je nach Blickwinkel unterschiedlich wirkt.
Trotz ihrer filigranen Erscheinung sind die Geländer statisch bis an die Grenzen optimiert. Schlanke Querschnitte, minimal dimensionierte Stossverbindungen und diskret ausgeführte Verschraubungen verleihen ihnen eine bemerkenswerte Leichtigkeit. Die Konstruktionen wurden vollständig geschweisst, feuerverzinkt und anschliessend farbig pulverbeschichtet. Die Drahtseilführungen der Textilmarkisen werden elegant vom Flachstahlhandlauf aufgenommen und fügen sich selbstverständlich in das Gesamtbild ein.
Auch die Balkontrennwände folgen dem architektonischen Konzept. Ihre Kontur leitet sich direkt aus der Form der Balkongeländer ab und wird bis unter die Decke weitergeführt. Zusammen mit farbigem Strukturglas entstehen halbtransparente Abschirmungen, die Privatsphäre schaffen, ohne die Offenheit der Balkonanlagen zu beeinträchtigen.
Laubenganggeländer
Weitere gestalterische und konstruktive Besonderheiten bilden die Laubenganggeländer im Innenhof. Sie verlaufen entlang der geschwungenen Gebäudekonturen und begleiten die Erschliessungsringe über mehrere Geschosse. Während die unteren Geländer als Absturzsicherung dienen, übernehmen die an den Deckenstirnen montierten Elemente eine architektonische Funktion. Mit ihren markanten Maschenstrukturen erzeugen sie Tiefe und Rhythmus und prägen die Wahrnehmung des Innenhofs wesentlich mit.
Auch diese Geländer sind aus Stabstahl bebaut und verschweisst. Für Handlauf, Pfosten und Untergurt kam Flachstahl zur Anwendung. Die abwechselnd unterschiedlich langen Vertikalstäbe bestehen aus Vierkantstahl und scheinen, den Untergurt zu durchdringen. Die Befestigungen an die Betonstirnen sind jeweils bei den Pfosten angelegt. Hierfür wurde eine örtliche Verbreiterung der Pfostenansicht gewählt, damit die Senkkopfschrauben der Anker genügend Auflagefläche finden.
Die Fertigung dieser Elemente verlangte höchste Präzision. Unterschiedliche Gebäuderadien mussten exakt aufgenommen und die horizontalen Geländerteile vor dem Zusammenbau genauestens gewalzt werden. Hinzu kamen geschossübergreifende Vertikalstäbe, die gleichzeitig als Rankhilfen für die Begrünung dienen. Ihre durchlaufende Anordnung erforderte eine aussergewöhnlich hohe Genauigkeit bei Planung, Produktion und Montage.
Treppengeländer
Einen besonderen Akzent setzen schliesslich die beiden Treppenhäuser. Vor den Sichtbetonflächen wirken die intensiv farbigen Treppengeländer wie skulpturale Elemente. In engen Radien winden sie sich durch die Treppenaugen nach oben und greifen die Formensprache der Aussengeländer auf. Flachstahl für Pfosten und Obergurte sowie Vierkantstahl für die Staketen bilden eine konsequente Materialsprache. Die Kombination aus engen Krümmungen und wechselnden Steigungen stellte hohe Anforderungen an die Werkstattfertigung und Montage.
Für einen bewussten Kontrast zur metallischen Konstruktion sorgt der durchgehende Handlauf aus dunklem Eichenholz. Er verleiht den Geländern Wärme, Wohnlichkeit und eine angenehme Haptik. So entsteht eine Verbindung von technischer Präzision und atmosphärischer Qualität, die beispielhaft zeigt, welchen Beitrag Metallbau zur Architektur leisten kann.
Metallbau schafft Mehrwert
«Das markante Exoskelett aus Betonpfeilern einerseits und die charakteristischen Geländer andererseits prägen den visuellen Eindruck dieser Überbauung auf eindrückliche Weise» erklärt Daniel Vonrüti, CEO der Blaser Metallbau AG, gegenüber der «metall» und fügt an:
«Besonders beeindruckt hat mich, dass die Geländer hier nicht als notwendiges Bauteil verstanden wurden, sondern als integraler Bestandteil der Architektur. Die sorgfältig entwickelte Formensprache, die filigrane Konstruktion und die abgestimmte Farbgebung zeigen, welchen Mehrwert Metallbau für ein Projekt schaffen kann.» ■
Bautafel
Objekt:
Eichhölzli Glattfelden
Bauherrschaft:
SI Specogna Immobilien AG, Kloten
Architekt:
Züst Gübeli Gambetti, Zürich
Bauleitung:
Baustudio GmbH, Kloten
Metallbau:
Blaser Metallbau AG, Andelfingen.