Mai 2022
Mai 2022

Fussgängerbrücke bei Tintagel-Castle

Architektur und Technik

Die neue Fussgängerbrücke von Ney & Partners und William Matthews Associates fügt sich harmonisch in die schroffe Felslandschaft der Steilküste Cornwalls ein. Die abgewandelte Art eines Bogentragwerks inszeniert den sagenumwobenen Ort Tintagel durch einen spektakulären Spalt in der Mitte der Brücke.


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Mit einer abgewandelten Art eines Bogentragwerks entwickelten die Planer eine freitragende Konstruktion mit zwei Kragarmen, die sich in der Mitte treffen.
Mit einer abgewandelten Art eines Bogentragwerks entwickelten die Planer eine freitragende Konstruktion mit zwei Kragarmen, die sich in der Mitte treffen.

Architektur und Technik

Fussgängerbrücke bei Tintagel-Castle

Die neue Fussgängerbrücke von Ney & Partners und William Matthews Associates fügt sich harmonisch in die schroffe Felslandschaft der Steilküste Cornwalls ein. Die abgewandelte Art eines Bogentragwerks inszeniert den sagenumwobenen Ort Tintagel durch einen spektakulären Spalt in der Mitte der Brücke.

Text: Steffi Lenzen / Bilder: Redaktion und Hufton + Crow

Schroffe Klippen und die mystische Stimmung einer geschichtsträchtigen Festung locken heute zahlreiche Besucher und Fans der Artussage nach Tintagel an der Nordwestküste Cornwalls. Ney Architects und William Matthews Associates gelingt hier mit einer spektakulären Fussgängerbrücke die Inszenierung von Geschichte und Gegenwart, von Insel und Festland. Während der Legende nach im frühen Mittelalter hier die Zeugung des Königs Artus stattgefunden haben soll, verlor die Burg jedoch schnell an Rang und verfiel. Ebenso wie die einzige bestehende Verbindung, eine schmale Landbrücke. Lange Zeit war der Zugang nur über einen mühevollen Ab- und Wiederaufstieg der Pfade im Fels möglich.

Bogentragwerk mit Lückenschluss

Die direkte Verbindung sollte nun durch eine neue Fussgängerbrücke wiederhergestellt werden, und zwar in Harmonie mit der umgebenden Landschaft und ohne in Konkurrenz zur Burgruine zu treten. Das ist Laurent Ney und William Matthews gelungen mit einem filigran wirkenden, abgewandelten Bogentragwerk mit Lückenschluss in der Mitte. Da Anlieferung und Montage in der exponierten, steilen Lage äusserst kompliziert waren und ohne Gerüst gearbeitet werden musste, entwickelten die Planer eine Variante der Bogenbrücke als freitragende Konstruktion mit zwei Kragarmen, die sich in der Mitte treffen. Ober- und Untergurt dieser Fachwerkträger bestehen aus Stahl, die kreuzförmige Ausfächerung aus Edelstahl. Das Tragwerk ist an den beiden Widerlagern fest verankert in der Felswand und verjüngt sich von 4,50 m Höhe zur Mitte hin auf 17 cm. In der Mitte verbleibt ein spektakulärer Spalt von 40 mm, durch den man in den 190 m tiefen Abgrund hinunterblicken kann. Diese Lücke bringt zum einen statische Vorteile mit sich, denn so entstehen keine Zwangskräfte zwischen dem «Bogen» des Untergurts und dem Überbau. Gleichzeitig unterstreicht sie durch die Trennung symbolisch die besondere und faszinierende Stimmung Tintagels, die spannungsvollen Gegensätze von Gestern und Heute, Legende und Wahrheit.

Quelle: Detail.de  ■

Bild: Hufton + Crow. In der Mitte verbleibt ein spektakulärer Spalt von 40 mm. Eine Steckverbindung führt die beiden sich fügenden Kopfteile.
Bild: Hufton + Crow. In der Mitte verbleibt ein spektakulärer Spalt von 40 mm. Eine Steckverbindung führt die beiden sich fügenden Kopfteile.

 

Bautafel

Objekt:

Fussgängerbrücke Tintagel Castle, Tintagel, Cornwall (GB)

Bauherr:

English Heritage, Swindon (GB)

Architektur und Tragwerksplanung:

Ney & Partners, Brüssel (B)

William Matthews Associates, London (GB)

 

Das Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik enthält im Kap. 1.4 wichtige Informationen zum Thema «Statik und Konstruktion».