Fusion von Alt und Neu – Neues Wien Museum
Glas und Metall im öffentlichen Raum
Bei der Sanierung des Wien Museum wurde grosser Wert auf Nachhaltigkeit und den Erhalt der historischen Bausubstanz gelegt. Mit einem zusätzlichen Geschoss, das über dem Altbau zu schweben scheint, konnte ausserdem die Nutzfläche des Museums fast verdoppelt werden. Das stabile Raumklima in den Museumsräumen wird unterstützt durch die elektrochrome Verglasung, denn das intelligent gesteuerte Sonnenschutzglas sorgt dafür, dass ein Zuviel an Licht und Wärme draussen bleibt.
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Glas und Metall im öffentlichen Raum
Fusion von Alt und Neu – Neues Wien Museum
Bei der Sanierung des Wien Museum wurde grosser Wert auf Nachhaltigkeit und den Erhalt der historischen Bausubstanz gelegt. Mit einem zusätzlichen Geschoss, das über dem Altbau zu schweben scheint, konnte ausserdem die Nutzfläche des Museums fast verdoppelt werden. Das stabile Raumklima in den Museumsräumen wird unterstützt durch die elektrochrome Verglasung, denn das intelligent gesteuerte Sonnenschutzglas sorgt dafür, dass ein Zuviel an Licht und Wärme draussen bleibt.
Das Wien Museum am Karlsplatz ist eines der meistbesuchten Museen der österreichischen Hauptstadt. Bei seiner Sanierung und Erweiterung sollte nicht nur die denkmalgeschützte Bausubstanz erhalten, sondern auch eine zeitgemässe Infrastruktur geschaffen werden. Sie soll sowohl den komplexen konservatorischen Anforderungen der historischen Exponate als auch den zeitgemässen Ansprüchen an Nachhaltigkeit und Energieeffizienz Rechnung tragen.
Vertikale Erweiterung
In dem für den Umbau ausgelobten Wettbewerb überzeugten Ferdinand Ĉertov und Winkler + Ruck Architekten 2015 mit der Idee einer vertikalen Erweiterung, ein über dem Altbau «schwebender» Betonblock, sollte den notwendigen Flächengewinn bringen. Der architektonische Clou: Alt und Neu bleiben baulich komplett getrennt. Der aufgesetzte Neubau ist tief im ehemaligen Atrium des Museums statisch verankert, ohne den Bestand zu berühren. Dafür wurde im Atrium ein neues Fundament gelegt, bestehend aus einer bis zu vier Meter dicken Betonplatte auf 40 Bohrpfählen mit max. 40 Metern Länge. Eine zehn Zentimeter breite Fuge stellt sicher, dass die beiden Gebäudeteile im Fall eines Erdbebens völlig unabhängig voneinander schwingen können.
In der neuen Kubatur wachsen Alt und Neu zu einem homogenen Ganzen zusammen. Die Schnittstelle symbolisiert ein transparent verglastes Terrassengeschoss mit multifunktional nutzbaren Räumlichkeiten für Events und Ateliers. Von der frei zugänglichen Aussichtsplattform mit Café hat man einen traumhaften Ausblick auf den Karlsplatz und die Karlskirche.
Neue Nutzflächen
Ein neuer gläserner Pavillon vor dem Eingangsbereich dient als vorgelagertes Foyer und vermittelt klimatisch zwischen Innen und Aussen. Zusammen mit der neuen Plaza vor dem Museum sorgt er für eine starke lokale Präsenz. Das Herzstück des neuen Wien Museum ist jedoch die 25 Meter hohe zentrale Halle im ehemaligen Atrium. Tatsächlich konnte die gesamte Nutzfläche des 1959 von Oswald Haerdtl errichteten Museums von 6900 auf 12 000 Quadratmeter erhöht werden. Die neu geschaffenen Ausstellungsflächen erlauben eine chronologische Raumfolge für die Dauerausstellung und bieten mehr Platz für die wechselnden Sonderausstellungen.
Texturierte Fassaden
Die Fassaden des Bestandsgebäudes sind dem Original aus den 1950er-Jahren nachempfunden. Die Gestaltung mit einer Natursteinverkleidung aus verschiedenen Kalkstein- und Marmorflächen orientiert sich an den ursprünglichen Ideen von Oswald Haerdtl und gibt der Fassade zusammen mit den messingfarbenen Fensterrahmen eine wertige Struktur.
Für die Betonfassade des neuen Schwebegeschosses behandelten die Betonbauer den Sichtbeton durch spezielle Schalung und sorgfältige Nachbearbeitung so, dass feine Linien in unregelmässigen Abständen die Wand herunterlaufen.
Intelligent gesteuerte Verglasung
Dank der energetischen Sanierung der Bestandsfassaden und der Nutzung regenerativer Energie für Heizung und Kühlung ist das Wien Museum Karlsplatz annähernd energieautark. Zum konservatorischen Erhalt der Ausstellungsstücke ist in der Regel eine aufwendige Klimatisierung notwendig. In Zusammenarbeit mit Restauratoren, Gebäudemanagern und Fachplanern wurden Möglichkeiten gesucht, den Energieverbrauch zu senken und trotzdem ein stabiles Raumklima zu garantieren. Zum einen wurde das Gebäude dafür in drei Klimazonen mit unterschiedlichen Anforderungen eingeteilt, die baulich voneinander getrennt sind und unabhängig voneinander funktionieren. Zum anderen entschieden sich Planer und Bauherrschaft für den Einsatz von SageGlass Classic in allen Glasflächen zwischen Innen und Aussen. Das intelligent gesteuerte Sonnenschutzglas ermöglicht einen maximalen Tageslichteinfall bei minimalem Wärmeeintrag. Durch diese Massnahmen konnte die notwendige Kühl- und Beleuchtungsenergie im Wien Museum massiv reduziert werden. ■
Bautafel
Objekt:
Wien Museum , Wien
Bauherr:
Museen der Stadt Wien
Architektur:
ARGE Ĉertov, Winkler + Ruck, Wien
Tragwerksplanung:
Bollinger + Grohmann, Wien
Produkt:
SageGlass Classic, Steuerung mit SageGlass Symphony