April 2017
April 2017

Fondazione Villa dei Cedri Tensy-Dome, Bellinzona

DRAHTSEILTECHNIK / GEBÄUDEHÜLLE

Tensy-Dome ist ein besonderes Projekt. Besonders ist auch seine Form der Integration in die Umwelt und besonders soll daher auch diese Einleitung sein. Vier unterschiedliche Standpunkte: Bauherr, Architekt, Ingenieur und Bauunternehmer werden vom Projekt erzählen, wobei sie voraussichtlich in wenig koordinierter Weise vorgehen dürften und billigend in Kauf nehmen, dass die nur spärlich variierenden Einzelheiten oder Informationen wie ein Leitmotiv mehrmals wiederkehren. Das Ziel ist natürlich nicht, den Leser zu langweilen, sondern vielmehr, wie eingangs erwähnt, ihm vier verschiedene Standpunkte nahezubringen. Hoffen wir, dass uns dies gelungen ist!


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Geschichte des Projekts
Von Tiziano Ferracini – Fondazione Villa dei Cedri
Die Vereinigung der Freunde der Villa dei Cedri wurde im Dezember 1990, fünf Jahre nach Eröffnung des Museums, ins Leben gerufen. Anlass der Gründung war die Idee, die Tätigkeit der Kunstgalerie ausserhalb der institutionellen Strukturen der Gemeinde zu unterstützen. Ende 2007 änderte die Vereinigung ihre Statuten und wurde zur Stiftung umgewandelt. Schnell wurde klar, dass mehr Räumlichkeiten, sowohl für Büros als auch für Ausstellungszwecke, benötigt wurden. Die Villa im Baustil des 18. Jahrhunderts wurde bis zu ihrem Erwerb durch die Gemeinde Bellinzona stets zu privaten Wohnzwecken genutzt und hat keine wesentlichen baulichen Veränderungen erfahren (heute steht sie unter Denkmalschutz). Es sind jedoch keine Räumlichkeiten vorhanden, um die Besucher während einer Ausstellung zu einer Vernissage und/oder zu einem Apéro zu empfangen. Die Stiftung hat daher den Architekten Filippo Broggini damit beauftragt, einen Raum zu entwerfen, der diesen Mangel ausgleichen und gleichzeitig der Öffentlichkeit, den Vereinigungen, Unternehmen und Privatpersonen eine Struktur für die Veranstaltung von kulturellen, sozialen und rekreativen Aktivitäten bieten würde. Ausserdem könnte die Innenfläche für mindestens 80 Sitzplätze und über 100 Stehplätze auch für die Schülergruppen, die das Museum besuchen, genutzt werden. Bei der Standortwahl für den Bau wurden verschiedene Überlegungen bezüglich landschaftlicher Aspekte und der Einbettung in den Kontext der Villa einbezogen. Die Gemeinde und das kantonale Amt für Kulturgüter haben das Projekt im Hinblick auf Zweck und Standort als zulässig beurteilt und das Vorhaben genehmigt. Ziel der Stiftung war es, sich unter einem beachtlichen finanziellen Aufwand, der weit über das ursprüngliche Budget hinausging, mit einem Werk, das nicht nur ein architektonisches Highlight darstellt, sondern auch als Kunstwerk der Moderne zu verstehen ist, im Aussenbereich der Villa anzusiedeln. Mit diesem Projekt wollten wir einen Hauch von Neuheit bieten, der mit dem Stil der im Museum ausgestellten Kunstwerke einhergeht. So lässt sich die Zeltstruktur angesichts ihrer Leichtigkeit und der Verflechtung der Metallröhren, die fliessend ineinander übergehen und sich gegenseitig tragen, auch aus einem künstlerischen Blickwinkel betrachten. Es ist ein Werk, das ich als gewagt bezeichnen würde, das sich auf avantgardistische Lösungen der Architektur und Ingenieurtechnik abstützt, die nicht nur das Interesse der Museumsbesucher, sondern auch dasjenige der Fachwelt erregen dürfte.
Die Architektur
von Arch. Filippo Broggini
Der Wunsch, leichte Strukturen zu entwerfen und zu verwirklichen, ist nichts anderes als eine logische Folge des Entwicklungsprozesses in der Baukunst. Bei den ägyptischen Pyramiden wurden die Steinblöcke so aufeinandergeschichtet, dass sie durch ihr eigenes Gewicht komprimiert wurden, um eine gewaltige geometrische Struktur zu bilden (Cheops-Pyramide, ca. 2560 v. Chr.). Für den Bau der griechischen Tempel (ca. 10.–7. Jahrhundert v. Chr.) wurden weniger Steine verwendet, die zu Säulen – auch hier weitgehend unter Nutzung der Kompression – angeordnet und zu waagrechten monolithischen Balken verarbeitet wurden, die Beugungen standzuhalten vermochten. Später ermöglichte die Erfindung des Rundbogens den zeitgenössischeren Zivilisationen, die strukturellen Eigenschaften der Bauwerke zu verbessern und damit auch weniger Baumaterial zu beanspruchen. Im Zuge der Entwicklung der Bautechniken wächst auch die Kenntnis des Menschen über die Gesetze der Statik. Es werden immer leistungsfähigere Systeme und Hilfsmittel entwickelt, die erlauben, zunehmend anspruchsvollere Herausforderungen zu bewältigen. Studien über die Verwirklichung des Traums vom Fliegen und die Fortschritte in der Luftfahrt beflügeln die Forschung. Die Gebrüder Wright haben in den Jahren 1905–1908 eine sehr effiziente Tragstruktur für die ersten Flugmaschinen entworfen. Auf diesem Gebiet ist Leichtigkeit Pflicht. Entsprechend gross sind daher die Bemühungen, die Strukturen zu verbessern und deren Gewicht auf ein Minimum zu verringern. Doch weshalb diese Vorliebe für leichte Konstruktionen? In der Architektur ist dieses Bedürfnis nach Leichtigkeit nur insoweit relevant, als sie eine sparsame Nutzung der Ressourcen, also des verwendeten Materials und der eingesetzten Energie, sowie eine intellektuelle Anstrengung bedingt, die über die Ansprüche einer kurzlebigen Modeerscheinung (oder ästhetischen Strömung) hinausgeht. Leichtigkeit setzt ein hohes statisches Bewusstsein voraus sowie die Einhaltung strenger Hierarchien bei den Bestandteilen, durch die jedes einzelne Element im Gesamtkonzept eindeutig bestimmt wird.