Februar 2026
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Edelstahl und Drahtseile für den Leuchtturm am Genfersee

Drahtseile in der Architektur

Ein schlanker, strahlender Orientierungspunkt für die Schifffahrt und ein architektonisches Statement: Der Leuchtturm «Ylliam» in Cologny bei Genf verbindet Metallbaukunst, Materialpräzision und nautische Tradition.


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Der 21 Meter hohe Leuchtturm «Ylliam» am Nordpier der Société Nautique de Genève, markiert die Hafeneinfahrt und setzt zugleich ein filigranes architektonisches Zeichen.
Der 21 Meter hohe Leuchtturm «Ylliam» am Nordpier der Société Nautique de Genève, markiert die Hafeneinfahrt und setzt zugleich ein filigranes architektonisches Zeichen.

 

Drahtseile in der Architektur

Edelstahl und Drahtseile für den Leuchtturm am Genfersee

Ein schlanker, strahlender Orientierungspunkt für die Schifffahrt und ein architektonisches Statement: Der Leuchtturm «Ylliam» in Cologny bei Genf verbindet Metallbaukunst, Materialpräzision und nautische Tradition.

Text: Redaktion / Bilder: Jakob Rope Systems

Wer am Wasser baut, baut unter erschwerten Bedingungen. Windlasten, permanente Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und eingeschränkte Zugänglichkeit stellen höchste Anforderungen an Konstruktion, Materialwahl und Ausführung. Mit dem Leuchtturm «Ylliam» ist am Genfersee ein Bauwerk entstanden, das diesen Herausforderungen nicht nur standhält, sondern sie zum gestalterischen Prinzip erhebt. Seit Sommer 2025 markiert der 21 Meter hohe Turm am Nordpier der Société Nautique de Genève die Hafeneinfahrt und setzt zugleich ein filigranes architektonisches Zeichen.
Der von Bureau Architekten (Daniel und Galliane Zamarbide sowie Carine Pimenta) entworfene Leuchtturm interpretiert die klassische Typologie neu. Er ist schlank, transparent, technisch präzise. Anders als viele traditionelle Leuchttürme ist «Ylliam» nicht begehbar. Seine Laterne ist beweglich konstruiert und kann für Wartungsarbeiten abgesenkt werden. Dieser Ansatz reduziert Masse, vereinfacht den Betrieb und trägt entscheidend zur leichten Erscheinung bei – ein wichtiger Aspekt im sensiblen landschaftlichen Kontext der Reede von Cologny.
Für die Umsetzung des Projekts zeichnete die Ruch Metallbau AG aus Altdorf verantwortlich.

 

Tragwerk und Abspannung

Das Tragwerk des Leuchtturms «Ylliam» besteht aus Chromnickelstahl mit glasperlgestrahlter Oberfläche. Diese Oberflächenbehandlung verleiht dem Material eine matte, homogene Anmutung, reduziert unerwünschte Reflexionen und erhöht gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit gegenüber Witterungseinflüssen. Damit wird der Wartungsaufwand minimiert – ein entscheidender Faktor für ein dauerhaft den Elementen ausgesetztes Bauwerk. Konstruktiv basiert der Turm auf drei vertikal angeordneten Rundrohrstützen, die sich vom Fundament bis zur Turmspitze erstrecken. Die Stützen sind über eingeschweisste Blechreifen und Stegbleche miteinander verbunden und bilden ein steifes, klar gegliedertes Primärtragwerk.   

Seilvorhang als statisches und formgebendes Element

Ein prägendes Merkmal des Leuchtturms ist der trichterförmige Vorhang aus vorgespannten Edelstahlseilen. Dieser spannt sich konisch über die ganze Höhe. Als unterer Spannhalter dient der achteckige Dachring des verglasten Büroraums. Oben sind die Gabelköpfe der Drahtseile an der aus Blech gefertigten, achteckigen «Kanzel» befestigt. In dieser «Kanzel» ist die absenkbare Laterne untergebracht.
Die Geometrie des Konus wird nicht durch massive Bauteile, sondern durch die präzise geführte Seilstruktur definiert. Zur Stabilisierung dieses Seilvorhangs sind drei ringförmige Edelstahlreifen integriert. Diese sind nicht an das Primärtragwerk angeschlossen, sondern werden ausschliesslich von den vorgespannten Seilen gehalten. Das System folgt damit konsequent dem Prinzip der lastabtragenden Seilkonstruktion.
Das umlaufende Seiltragwerk übernimmt gleichzeitig die horizontale Aussteifung des Turms. Geliefert von Jakob Rope Systems, basiert das Seiltragwerk auf Komponenten aus der Forte-Serie mit Spannschlössern und Gabeln, die eine exakte Vorspannung und feinjustierte Ausrichtung ermöglichen.  

Blick von unten zur Kanzel. Der oben integrierte Leuchtkörper lässt sich absenken.
Blick von unten zur Kanzel. Der oben integrierte Leuchtkörper lässt sich absenken.

 

Unten befindet sich ein achteckiger, konischer Büroraum. Die Isolierglassegmente sind aneinandergefügt und mit Fugen geschlossen. Bemerkung: Bild entstand während des Innenausbaus, deshalb sind die Isoliergläser innen geschützt.
Unten befindet sich ein achteckiger, konischer Büroraum. Die Isolierglassegmente sind aneinandergefügt und mit Fugen geschlossen. Bemerkung: Bild entstand während des Innenausbaus, deshalb sind die Isoliergläser innen geschützt.

 

Glas als verbindendes Element

Im unteren Bereich ist der Leuchtturm mit einer transluzenten Hülle aus statisch selbsttragender Zweifach-Isolierverglasung versehen. Die grosszügigen Glasflächen ermöglichen Transparenz und Leichtigkeit, stellen jedoch hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Die eigentliche Herausforderung lag weniger im Glas selbst als in den Schnittstellen zu Stahl und Beton sowie bei den Glasfügungen.
Unterschiedliche Wärmeausdehnungskoeffizienten der Materialien erforderten präzise Detailausbildungen, um Spannungen, Undichtigkeiten oder Schäden langfristig zu vermeiden. Feine Glas-Glas-Fugen, exakt abgestimmte Anschlüsse und eine enge Koordination zwischen Architektur, Metallbau und Seiltechnik gewährleisten Stabilität, Dichtigkeit und Dauerhaftigkeit. Je nach Lichteinfall changiert die Fassade zwischen spiegelnder Strenge und offener Transparenz – ein subtiler Effekt, der die technische Raffinesse sichtbar macht. 

Montage unter erschwerten Bedingungen

Um höchste Präzision zu gewährleisten, wurde der Leuchtturm in den Werkhallen von Ruch nahezu vollständig zusammengebaut. Tragwerk, Seilvorhang und wesentliche Details wurden dort absolut genau montiert und überprüft. Diese Vorgehensweise reduzierte Risiken auf der Baustelle und stellte die Qualität der komplexen Konstruktion sicher.
Der Transport von Altdorf nach Genf stellte eine logistische Herausforderung dar. Das zentrale Edelstahlelement mit einer Länge von rund 17 Metern erforderte eine eigens entwickelte Traggerüstkonstruktion, die das Bauteil während des gesamten Transports stabil fixierte. In enger Zusammenarbeit mit Matthey-Petit SA wurde das Element nach Genf an den See transportiert. Die Aufrichtung des Turms erfolgte mit einem Kran, die Ausrichtung war Millimeterarbeit. Bereits kleinste massliche Abweichungen könnten Spannungsrisse im Glas oder Undichtigkeiten an den sensiblen Fügungen verursachen.

Das primäre Tragwerk besteht aus Rundrohrstützen. Die drei ringförmigen Reifen bilden die trichterartige Form und führen die Seile.
Das primäre Tragwerk besteht aus Rundrohrstützen. Die drei ringförmigen Reifen bilden die trichterartige Form und führen die Seile.

 

Funktionalität mit Mehrwert

Neben seiner Rolle als nautischer Orientierungspunkt erfüllt «Ylliam» weitere Funktionen. Im unteren Teil des Turms ist ein Büro untergebracht, das über Glasfaserkabel direkt mit dem Hafenmeister der Société Nautique de Genève verbunden ist. Bei wichtigen Regatten nutzen Zeitnehmer diesen Raum unter idealen Arbeitsbedingungen. Der Leuchtturm wird so zu einem funktionalen Bestandteil des Clubbetriebs – Technik und Nutzung greifen nahtlos ineinander.

Symbol für Präzision und Zusammenarbeit

Der Leuchtturm «Ylliam» steht sinnbildlich für Präzision, Zuverlässigkeit und gestalterische Klarheit. In enger Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft, Architekten, Metallbauern und Seilspezialisten entstand ein Bauwerk, das Architektur und Technik verschmelzen lässt. Projektleiter Thomas Zurfluh und Andreas Ruch bringen es auf den Punkt: «Neben vielen spannenden Leuchtturmprojekten haben wir nun tatsächlich einen echten Leuchtturm realisiert. Die Kombination aus filigraner Technik, logistischem Anspruch und gestalterischer Klarheit machte das Projekt besonders spannend.»   ■

 

Bautafel

Objekt:

Leuchtturm am Quai Gustave-Ador 11, Genf

Bauherrschaft:

Société Nautique de Genève, Cologny

Auftraggeber:

Société Nautique de Genève, Cologny

Architektur:

BUREAU, Genève

Stahl- und Metallbau:

RUCH Metallbau AG, Altdorf

Seilstrukturen:

Jakob Rope Systems, Trubschachen

 

Das Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik enthält im Kap. 1.9 wichtige Informationen zum Thema «Befestigungstechnik».

 

Jakob Produkte und Leistungen

• Offene Spiralseile, Ø 10 mm, mit Forte M16 Spannschloss und Gabel, rund 13 000 m
• Rundlitzenseile, Ø 4 mm, rund 27 m
• 72 Zugstabsysteme Forte M10
• Tragseilhalter, Ø 10 mm
• Vorbemessung von Seilen und Zugstäben
• Einstellen und Messen der Zugspannung an den Seilen