Mai 2021
Mai 2021

Bewegliches Glas für Balkone

Balkonverglasungen

Balkone mit Glas zu verkleiden, macht in unseren Breitengraden absolut Sinn. Die Nutzungsdauer kann sich dadurch pro Kalenderjahr um Monate verlängern. Bei der Planung sollten die wesentlichen Kriterien erkannt und entsprechend berücksichtigt werden.


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Bild: Mobileglas, Schiebe-Drehsystem nv GG.Unisolierte, profillose Balkonverglasungen gewähren höchste Transparenz und bilden bei Sonneneinstrahlung eine nutzbare Pufferzone zwischen dem Aussen- und dem Wohnraum.
Bild: Mobileglas, Schiebe-Drehsystem nv GG.
Unisolierte, profillose Balkonverglasungen gewähren höchste Transparenz und bilden bei Sonneneinstrahlung eine nutzbare Pufferzone zwischen dem Aussen- und dem Wohnraum.

Balkonverglasungen

Bewegliches Glas für Balkone

Balkone mit Glas zu verkleiden, macht in unseren Breitengraden absolut Sinn. Die Nutzungsdauer kann sich dadurch pro Kalenderjahr um Monate verlängern. Bei der Planung sollten die wesentlichen Kriterien erkannt und entsprechend berücksichtigt werden.

Text: Redaktion, Bilder: Mobileglas, Solarlux und Redaktion

Balkonverglasungen generieren eine warme Pufferzone und schützen vor Wind und Wetter. Zudem bilden sie – speziell bei Ausrichtung gegen eine Strasse oder Eisenbahnlinie – einen zusätzlichen, schallabsorbierenden Schutz. Verglaste Balkone gewähren im Jahr mindestens 90 Tage aktive Nutzungszeit. Im Vergleich zu ungeschützten Balkonen mit einer geschätzten Nutzungszeit von lediglich 30 Tagen profitieren die Bewohner von bis zu zwei Monaten Mehrgenuss.
Um den verglasten Balkon bei allen Witterungsverhältnissen optimal nutzen zu können, sollte die Verglasung grosszügig, im Idealfall vollständig zu öffnen sein. Hierfür bieten sich insbesondere Schiebe-, Falt-Schiebe- oder Schiebe-Dreh-Systeme an, mit denen die Einzelelemente zu einem Paket verfahren und platzsparend an der Seite geparkt werden können. In jedem Fall zu beachten ist der erforderliche Raum für das «Parken» der geöffneten Verglasung. Es ist wichtig, im Vorfeld zu prüfen, ob sich keine festen Gegenstände oder Installationen wie Beschattungskurbeln im Bewegungsraum befinden oder Steckdosen durch parkierte Elemente unzugänglich werden. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Punkt ist die Erreichbarkeit jeder Scheiben-Aussenseite für die Reinigung.

Wärmepuffer oder Wohnraum?

In Anbetracht der Wärmegewinnung resp. der Wärmekonservierung drängen sich für die Balkoneinkleidung mit Glas zwei Varianten auf: Bei der Variante 1 bleibt der geschützte Balkon unbeheizt, es kommt üblicherweise Einfachglas zur Anwendung. Die Verglasung bildet aber bei geringster Sonneneinstrahlung einen Wärmepuffer für die Wohnräume.
Bei der Variante 2 wird der geschlossene Balkon als Wohnraum genutzt und ist somit Teil des beheizten Gebäudevolumens. Variante 1 mit der unbeheizten Ausführung ist natürlich deutlich einfacher zu verwirklichen, bringt aber auch einen eher kleinen und zudem schwer quantifizierbaren wärmetechnischen Nutzen.
Die Variante 2, also die Einbeziehung des Balkons in das beheizte Gebäudevolumen, ist deutlich aufwändiger. Neben der Balkonverglasung müssen auch die Brüstung und die Bodenplatte in den Wärmeschutz einbezogen werden. Soll der vormals offene Balkon ein eigenständiger Raum bleiben, benötigt er ausserdem eine Heizung.  

Mit oder ohne Rahmen?

In ästhetischer Hinsicht lassen sich Balkonverglasungen in zwei Gruppen einteilen. Mit und ohne Rahmenteile. Ausführungen mit Isolierglas werden ausschliesslich mit Rahmen aus Aluminium, Stahl, Edelstahl oder auch aus GFK gebaut. Entsprechend prägen die umlaufenden Rahmenteile und ihre Farben – insbesondere bei mehrteiligen Verglasungen – das Erscheinungsbild.
Mehrfeldrige Einfachverglasungen werden im Bereich der Glasfügungen gerne profillos gebaut, was ihnen eine hohe Transparenz verschafft. Bei dieser «profillosen Ausführung» ist zu beachten, dass die Glasstösse immer schmale, offene Fugen aufweisen und somit keine hundertprozentige Dichtigkeit gegen Wind und Regen gewährt werden kann.
Wichtig ist, dass dies in der Planungsphase erkannt und der Bauherrschaft klar, am besten schriftlich, kommuniziert wird. Als Option könnte beispielsweise auch nur die Wetterseite mit dichtenden Profilen ausgestattet werden.
Bei grossflächigen Balkonverglasungen oder wenn mehrere Richtungsänderungen gefordert sind, kann es – in Anbetracht der Benutzungsfreundlichkeit – Sinn machen, mehrere Parkierbahnhöfe vorzusehen. Die Bauherrschaft wird es zu schätzen wissen, wenn die einzelnen Elemente nicht über mehrere Ecken und Geraden zum Bahnhof geschoben werden müssen.
Zudem ist zu beachten, dass eine Balkonverglasung doch einige Quadratmeter an Fassadenfläche ausmachen kann und entsprechend Wasser anfällt, das im unteren Schienenprofil aufgenommen und kontrolliert nach aussen abgeführt werden sollte, ohne dass überproportionale Verschmutzungen auftreten.
  

«Als Option könnte beispielsweise auch nur die Wetterseite mit dichtenden Profilen ausgestattet werden.»  
Bild Solarlux. Trotz offenen, vertikalen Glasfügungen bieten Balkonverglasungen einen verhältnismässig hohen Wind- und Wetterschutz.
Bild Solarlux.
Trotz offenen, vertikalen Glasfügungen bieten Balkonverglasungen einen verhältnismässig hohen Wind- und Wetterschutz.

 

Verschiedene Systeme und Produkte

Abgestützt auf die Bedürfnisklärung mit der Bauherrschaft soll das optimale Produkt evaluiert werden können. Die anschliessend aufgeführten Qualitätsmerkmale könnten die Evaluation von beweglichen Balkonverglasungen erleichtern:

– Aushängesicherung
– Verhinderung des Zurückrollens der Schiebeelemente
– Feststellung der Flügel in verschiedenen Positionen
– Arretierung bei geöffneten Flügeln
– Ecklösungen profillos
– Einfache Handhabung der Beschläge
– Keine Verletzungsgefahr
– Wartungsintervalle
– Verglasung nach innen oder auch aussen zu öffnen
– Vollflächiges Öffnen über Schrägen und Ecken möglich
– Keine Stolperschwellen
– Möglichkeit von grossen Flügeldimensionen
  

Bild Redaktion.Der direkte optische Vergleich: oben eine isolierte und in Profilen gefasste, unten eine unisolierte Balkonverglasung.
Bild Redaktion.
Der direkte optische Vergleich: oben eine isolierte und in Profilen gefasste, unten eine unisolierte Balkonverglasung.

Die Vielseitigkeit von Glas nutzen (Textquelle: SIGAB)

Auf dem Markt existieren viele Systeme mit teils unterschiedlich gelösten Konstruktionsdetails. Die meisten Systemanbieter liefern bereits verklebte Glaselemente sowie die zugehörigen Laufschienen, welche es richtig zu verbauen gilt. Wie bei jedem Bauteil hilft auch hier eine gute Planung. Ziel soll es sein, alle Stolpersteine zu umgehen sowie den Bauherrn gut zu beraten.
Das häufig zur Anwendung kommende Glas ist das Einscheibensicherheitsglas (ESG). Aufgrund der Nickel-Sulfid-Problematik bei ESG (siehe SIGAB-Richtlinie 203; PDF als Gratisdownload auf www.sigab.ch ) kann eventuell die höhere Sicherheit eines zusätzlichen Heat-Soak-Tests verkauft werden. Bei Situationen mit Absturzgefahr ist zwingend ein geeignetes Verbund-Sicherheitsglas (VSG) bis 1 m über der begehbaren Fläche einzusetzen. Bei beiden Sicherheitsgläsern lässt sich zudem einfach ein Sichtschutz verwirklichen. ESG lässt sich ätzen, sandstrahlen oder lasern (auch satinieren oder mattieren), um eine transluzente Verglasung zu verwirklichen (bei sandgestrahlter Oberfläche empfiehlt sich eine zusätzliche Schutzbeschichtung). Auch viele Gussgläser lassen sich vorspannen oder zu einem VSG verarbeiten. Beim VSG existiert zudem die Möglichkeit von farbigen Zwischenlagen (z. B. Mattfolie), um sich von ungewollten Blicken aus der Nachbarschaft zu schützen. Mehr Informationen zu den genannten und weiteren Möglichkeiten mit Glas siehe SIGAB-Richtlinie 006.  ■

 

Das Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik enthält im Kap. 2.1 wichtige Informationen zum Thema «Fenster und im Kap. 2.39 wichtige Informationen zum Thema «Anbaubalkone».