November 2015
November 2015

Aus bunt und verspielt wird «smart»

FASSADENGESTALTUNG

Für Passanten und Durchreisende war es kaum zu übersehen, das langgezogene Wohnhaus mit seinen farbigen Vorbauten direkt am Zürichsee in Wädenswil. Die vor Jahrzehnten gestaltete, bunte und verspielt wirkende Fassade hatte ausgedient. Im Zuge einer Sanierung erhielt das Wohnhaus eine vorgehängte, smart wirkende Gebäudehülle.


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Bunt, verspielt und vielleicht etwas orientalisch wirkte die in die Jahre gekommene Fassade des Mehrfamilienhauses «Staubenweidli» an der Seestrasse in Wädenswil. Die verschiedenen Fassaden-Vor- und Rücksprünge unterstützten die vielleicht etwas übertriebene Lebendigkeit zusätzlich. Grund genug für die Entscheidungsträger, dem Gebäude mit einer neuen, vorgehängten Fassade ein zeitgemässes Erscheinungsbild zu geben. Heute ist die neue Nord-/Ostfassade fertiggestellt. Mit ihrem zeichnenden Rahmen aus dunklen Eternitplatten und den diskret wirkenden, transparenten Feldern aus Metallgeweben wirkt sie smart. Doch die neue Fassadenverkleidung erfüllt nicht nur ästhetische Zwecke. Aufgrund ihrer Bauweise wirkt sie auch als Sonnen- und Wetterschutz und ermöglicht mit dem integrierten Laufsteg auch den einfachen Zugang an die innere Fassadenhülle.
Fachwerk-Konstruktion als tragendes Element
Die Ostfassade misst in der Länge 15 m. Die stras-senseitige Nordfassade weist eine Länge von
56 m auf. Die Gesamthöhe beträgt 8 m und erstreckt sich über zwei Stockwerke, plus die Dachterrasse. Die Fachwerk-Unterkonstruktion ist der bestehenden Fassade vorgehängt, hebt sich um 1,7 m hervor und besteht aus neun Tonnen Stahl. Die Anbindung an das Gebäude erfolgte über örtliche, horizontal und vertikal verstellbare Konsolen welche direkt an das bestehende Betonskelett befestigt sind. Die einzelnen Fachwerke sind mit Achsabständen von 3,80 m angeordnet. Bei einer Höhe von 8 m und einer Tiefe von 1,7 m übernehmen sie sämtliche anfallenden Vertikallasten. Oben und unten sind sie frontseitig durch horizontal durchlaufende Stahlgerippe verbunden. Diese dienen in erster Linie der Befestigung der Eternitplatten und zur seitlichen Stabilisierung. Die Fachwerkrahmen sind zu einem grossen Teil mit IPE 100 und UPE 100 gebaut. Für die Verstrebungen kamen Winkelprofile zur Anwendung. Im unteren Bereich der Fassadenverkleidung ist ein mit Gitterrosten belegter Laufsteg für Reinigung und Unterhalt integriert.
Transparentes Metallgewebe und Eternit
Vom Zürichsee her betrachtet, wirken die beiden Fassaden wie zwei überdimensionale Bilderrahmen, wobei die Rahmen von dunklen Eternit- platten und die beiden Bilder von den Metallgeweben gebildet werden. Die aneinander gereihten Eternitplatten formen den optisch dominanten und greifbaren Rahmen der Fassade. In die riesigen Öffnungen sind Metallgewebe aus Edelstahl gespannt. Diese bilden den transparenten Teil der Gebäudehülle. Mit dem gewählten Metallgewebe, Modell G210 von der Firma Sprich AG Maschenstrukturen, das eine Maschenweite von
5 ¼ 15 mm aufweist, wird je nach Blickwinkel und Lichtverhältnis ein immer unterschiedlich wirkender Transparenzgrad erreicht. Die einzelnen Metallgewebe bestehen aus horizontal verlaufenden Edelstahl-Drähten von 1,5 mm Stärke. Diese mit einem Lichtmass von 5 mm vertikal aneinander- gereihten Drähte sind abwechselnd mit rhythmisch angeordneten Abkröpfungen versehen. Diese Abkröpfungen bezwecken die Führung der vertikal verlaufenden Edelstahl-Drahtseile von 2 ¼ 1 mm Querschnitt. Oben sowie am unteren Ende weisen die Drahtseile eine Schlaufe auf, durch welche ein Edelstahl-Rundstab gestossen ist. Dieser sorgt für eine gleichmässige Ausbreitung und Spannung des Gewebes. Die effektive und optimierte Spannung des Metallgewebes erfolgt über oben und unten angeordnete Augenschrauben. Diese üben den vertikalen Zug auf den Edelstahl-Rundstab aus.
Einfache Montage
Die auf Grössen von ca. 4,00 m ¼ 5, 00 m fabrizierten Metallgewebe sind von der Herstellerfirma Sprich AG Maschenstrukturen, auf Hartpapierrollen aufgerollt und in Holzkisten verpackt, auf die Baustelle geliefert worden. Die Rundstäbe, versehen mit den Augenschrauben, waren bereits eingezogen. So übernahm das Montageteam der Josef Meyer AG die Lieferung und verteilte die einzelnen Holzkisten bedarfsgerecht auf dem Flachdach. Mit Hilfe des Baukrans sind die Rollen, hängend an einem Tragjoch aus Rundrohr, an den Zielort gehievt worden. Es folgte die obere Fixierung an die Stahlkonstruktion. Anschlies-send sind die einzelnen Metallgewebe-Rollen langsam zwischen Gerüst und Stahlkonstruktion nach unten geführt und kontinuierlich ausgerollt worden. Dann wurden die unten angeordneten, verstellbaren Augenschrauben ebenfalls an die Stahlkonstruktion fixiert. Bereits hing das Metall-gewebe knitterfrei ausgebreitet und musste nur noch über die verstellbaren Augenschrauben gespannt werden. Die Spannung erfolgte unter Aufsicht der Sprich Maschenstrukturen AG und musste sehr sorgfältig und sukzessive erfolgen. Das heisst, die Schrauben wurden über die ganze Netzbreite, eine nach der anderen, unter Spannung gesetzt. In einem zweiten und dritten Durchgang wurde die Spannung dann kontinuier-lich erhöht, bis schliesslich die Zielspannung erreicht war.