Mai 2022
Mai 2022

Wasser und Eis auf die Fassade gezaubert

Metall und Glas

Die Bündner Ortschaft Samedan wurde um ein zentrales und grosszügig gestaltetes Einkaufszentrum bereichert. Das markante Gebäude mit seiner silbern schimmernden Metallfassade bietet den Anwohnern aus der näheren und ferneren Umgebung attraktive Einkaufsmöglichkeiten. Metall und Glas spielen beim Bau eine zentrale Rolle.


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Die vorgehängte Metallfassade verkörpert das Bild einer Wasseroberfläche, die von feinen Wellen durchzogen ist. Der dunkle Bereich enthält weniger Blechanteil und grössere Ausschnitte.
Die vorgehängte Metallfassade verkörpert das Bild einer Wasseroberfläche, die von feinen Wellen durchzogen ist. Der dunkle Bereich enthält weniger Blechanteil und grössere Ausschnitte.

Metall und Glas

Wasser und Eis auf die Fassade gezaubert

Die Bündner Ortschaft Samedan wurde um ein zentrales und grosszügig gestaltetes Einkaufszentrum bereichert. Das markante Gebäude mit seiner silbern schimmernden Metallfassade bietet den Anwohnern aus der näheren und ferneren Umgebung attraktive Einkaufsmöglichkeiten. Metall und Glas spielen beim Bau eine zentrale Rolle.

Text und Bilder: Redaktion 

Sie sind nicht zu übersehen, die zwei grossen, metallisch glänzenden Gebäude im Quartier Cho d’Punt, direkt an der Hauptstrasse im Dorf Samedan.
Die Pfister Immobilien AG erstellte gemeinsam mit der Detailhandelsgenossenschaft das neue Einkaufszentrum Porta Samedan, welches insgesamt rund 5400 m 2 Verkaufsfläche bietet. Im Obergeschoss des Einkaufszentrums befindet sich der Migros Supermarkt, im Erdgeschoss verschiedene Fachgeschäfte, ein Migros Restaurant und eine Tankstelle mit attraktivem Shop. In den zwei Untergeschossen finden die Besucher grosszügige Parkmöglichkeiten.
Die Planung und Entwicklung der Porta Samedan dauerte rund vier Jahre und wurde von Pfister Immobilien AG, dem Unternehmer Martin Merz und – in gestalterischer Hinsicht – Fanzun Architekten realisiert. Die Nachhaltigkeit spielte dabei eine zentrale Rolle. So wurde der Bau mit seiner hinterlüfteten Metallfassade im Minergie-P-Standard ausgeführt. Auf dem Dach befindet sich zudem eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 250 kWp. Ein grosser Teil der Bauaufträge konnte in der näheren Region vergeben werden. So auch die Metallfassade sowie die übrigen Metallbauarbeiten im Aussen- und im Innenbereich, die von der Metallbau Pfister AG, Samedan, ausgeführt wurden.

Beton-Skelettbau für beide Gebäude

Die über Grund zweigeschossigen Gebäude wurden als Beton-Skelettbauten aufgerichtet. Prägend und unverkennbar dabei sind die konischen, sich von unten nach oben verbreiternden Betonstützen, welche auch von der Metallfassade und ebenso im Inneren thematisiert werden. Unmittelbar neben dem Einkaufszentrum entstand zeitgleich ein Nachbargebäude – optisch im selben Look. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Portalwaschanlagen, zwei Lanzenwaschanlagen und ein Outdoorshop. In den Obergeschossen haben ein Fitnessstudio und die Bündner Kantonspolizei einen neuen Standort gefunden.  

Links das Einkaufszentrum, rechts das Nachbargebäude mit den Autowaschanlagen. Unverkennbar sind auch die Formen der sich von unten nach oben verbreiternden Betonstützen.
Links das Einkaufszentrum, rechts das Nachbargebäude mit den Autowaschanlagen. Unverkennbar sind auch die Formen der sich von unten nach oben verbreiternden Betonstützen.

Prägendes Fassadenbild

Das Fassadenbild wie auch die inneren Bauteile nehmen unmissverständlich Bezug auf natürliche Engadiner Elemente wie Landschaft, Wasser, Schnee und Eis. Insbesondere die beiden Lochfassaden von insgesamt 2500 m 2 Fläche verkörpern das Bild einer Wasseroberfläche, die von feinen Wellen durchzogen ist – sinnbildlich für das Engadin mit seinem Wasserreichtum. Entstanden ist die Fassade letztlich in enger Zusammenarbeit zwischen Architekt, Metallbauer und Künstler.
Der gebürtige Engadiner Künstler Gregori Bezzola – in Basel lebend – hat das entstandene Bild auf die Dimension der Fassade übertragen. Das Erscheinungsbild der gewellten Wasseroberfläche ergibt sich durch die Variierung von Grösse und Abstand der einzelnen, rautenförmigen Laserausschnitte in den Aluminiumplatten, in Verbindung mit dem schwarzen Hintergrund und dem Wechselspiel von Licht und Schatten. Der dunkle Bereich enthält weniger Blechanteil und grössere Ausschnitte. Die hellen, lebendigen Streifen entstanden durch den Wechsel zu mehr Blechanteil. Jede dieser gelochten Aluminiumplatten weist ein individuelles Bild auf, jedes gilt somit als optisches Unikat.

Detailansicht Ausschnitte und Blechfügung. Gut zu erkennen der aus sechs zusammengefügten Rhomboiden bestehende Schneekristall.
Detailansicht Ausschnitte und Blechfügung. Gut zu erkennen der aus sechs zusammengefügten Rhomboiden bestehende Schneekristall.

 

«Der Prozess von der ersten Skizze zur fertigen Fassade war ein langer und intensiver», erklärt Curdin Pfister, Geschäftsleiter und Inhaber der Metallbau Pfister AG, Samedan, und fügt an: «Der Künstler hatte als Vorlage eine mehrere Meter lange Handskizze erstellt. Anschliessend erfasste der Architekt diese analoge Grundlage und wandelte sie in eine digitale Form um. Er gestaltete die Bilder mit dem Grundmuster eines Schneekristalls, der – in verschiedensten Grössen – aus jeweils sechs zusammengefügten Rhomboiden besteht.
Zwischenzeitlich waren wir mit der Ausführungsplanung der Metallfassade beschäftigt. Die Fassadenansichten mit den unzähligen Blechelementen übermittelten wir dem Architekten, der das Gesamtbild, geprägt von Tausenden Ausschnitten, auf unsere Fassadenansichten übertrug. Nach einer weiteren Überarbeitung unsererseits übermittelten wir die DXF-Daten für Zu- und Ausschnitte auf die Laserschneidemaschine. Hierfür verwendeten wir ausschliesslich Standard-Blechformate von 1,5 x 3,0 m. Anschliessend erfolgten die Umformungen zu Kassettenblechen.»

 

«Das Fassadenbild wie auch die inneren Bauteile nehmen unmissverständlich Bezug auf natürliche Engadiner Elemente wie Landschaft, Wasser, Schnee und Eis.»  

Vorgehängte Blechfassade

Die ganze metallisch glänzende Einkleidung bestehend aus 30 Tonnen Aluminiumblech ist als hinterlüftete Blechfassade gebaut. Eine 220 mm starke Glaswolldämmung, belegt mit einer schwarzen Fassadenmembrane, erfüllt die bauphysikalischen Anforderungen. Eine vertikal verlaufende, thermisch getrennte Unterkonstruktion gewährt die Einhängung der 1317 (Einkaufszentrum) vor Wind und Wetter schützenden Aluminium-Blechkassetten mit Abmessungen von 1386 x 1335 mm.
Die einzelnen Blechkassetten sind vierseitig abgebogen und in den Ecken verschweisst. Die vertikalen Stege sind mit je zwei Einhängeschlitzen versehen, der obere lagert fix, der untere gleitend. Als Tragbolzen dient ein mit Kunststoff ummantelter Edelstahlstift.
Aufgrund des ganzheitlichen Fassadenbildes musste jedes Blech klar positioniert und auf den Ansichtsplänen nachvollziehbar aufgeführt sein. Hierfür wurden spezielle logistische Abläufe und Stapellungen vorgesehen. Für die Herstellung der Blechkassetten kamen Aluminiumbleche der Qualität EN AW-5005, H14 55HX zur Anwendung. Diese Qualität garantiert, dass – auch längerfristig – keine optischen Unterschiede zwischen den Blechen entstehen.
  

Bushaltestelle im selben Stil

Personen, die mit dem Linienbus anreisen, werden gleich von zwei nahezu identischen Fassadenbildern begrüsst. Das Buswartehäuschen entspricht in Form und Gestaltung der dahinterliegenden Fassade und generiert eine verspielte Doppelspurigkeit. Insbesondere der Durchgang zur Brücke, die zum Eingang führt, widerspiegelt die konischen Öffnungen respektive die konischen Stützenverkleidungen der Fassade. Getragen von einer Stahlkonstruktion, ist es mit denselben Fassadenblechen eingekleidet, jedoch ohne die spielerischen Motive des Wassers. Als Schutz vor Regen und Wind dient ein verglaster Vorbau mit Einflügeltüre.

Das Buswartehäuschen entspricht in Form und Gestaltung der dahinterliegenden Fassade.
Das Buswartehäuschen entspricht in Form und Gestaltung der dahinterliegenden Fassade.

 

Alle Elemente haben ein identisches, rautenförmiges Grundmuster das von einem Schneekristall abgeleitet ist.
Alle Elemente haben ein identisches, rautenförmiges Grundmuster das von einem Schneekristall abgeleitet ist.

Transparente Liftverkleidung

Als vertikale Erschliessung – von der Tiefgarage bis zum Obergeschoss – dient eine doppelt geführte Liftanlage, höchst transparent mit Glas eingekleidet. Daran aufsteigend führt eine breite Stahltreppe mit Glasgeländern nach oben.
Der gläserne Liftschacht, getragen von filigranen Rechteckstahlrohren, gewährt den ungehinderten Blick in das Innenleben der Personenlifte sowie von unten an die gemusterten, heruntergehängten Decken. Die Verbundsicherheitsgläser aus 2 x Floatglas 10 mm, sind gummigelagert, örtlich gehalten und fügen sich vertikal auf der Innenseite. Zargen und Verkleidungen wurden alle im hauseigenen Oberflächenwerk thermolackiert (Nasslack).

Transparenz über beide Einkaufsgeschosse. Die verglasten Lifttürme gewähren den freien Durchblick.
Transparenz über beide Einkaufsgeschosse. Die verglasten Lifttürme gewähren den freien Durchblick.

 

Die stählerne Treppe, welche im Hause Pfister 3D-geplant und statisch geprüft wurde, führt mit mehreren Richtungsänderungen um die verglasten Lifte. Im Grundriss betrachtet reduziert sich die Breite in konischer Form von unten nach oben. Getragen wird sie von Kragarme, die in die Wand verankert sind. Zudem ist sie an Boden und Decke befestigt.
Die Wangen bestehen aus Walzprofilen UNP 200. Die rohe Gehfläche bilden eingeschweisste, z-förmig abgebogene Stahlbleche. Die angebauten Glasgeländer sind mit Edelstahlhandläufen mit integrierten LED-Beleuchtungselementen bestückt. Diese gewähren eine angenehme Ausleuchtung und somit ein sicheres Begehen der Treppe.

Die Stahltreppe – von unten nach oben konisch abnehmend verlaufend – ist mit Glasgeländern versehen. Im Edelstahlhandlauf integrierte LED-Lampen beleuchten den Gehbereich.
Die Stahltreppe – von unten nach oben konisch abnehmend verlaufend – ist mit Glasgeländern versehen. Im Edelstahlhandlauf integrierte LED-Lampen beleuchten den Gehbereich.

Deckenelemente

Einen weiteren Blickfang, der naturbezogen an Eiskristalle erinnert, bilden die heruntergehängten Deckenelemente im Erdgeschoss und in den Untergeschossen. Die in ihren Formen unterschiedlichen Elemente bestehen aus lasergeschnittenen und abgebogenen Aluminiumblechen von 2 mm Stärke. Die wellenförmig zeichnenden, breiten Schattenfugen verstärken das Bild der Aufteilung. Zudem sind darin LED-Leuchten integriert, die den Boden gleichmässig ausleuchten.
Auch hier kamen dieselben rautenförmigen Muster zur Anwendung. Im Gegensatz zur Aussenfassade sind die Deckenbleche in der Farbe Lechler Pale Gold – ähnlich Colinal 3145 – nasslackiert. Die Blechelemente sind an eine Unterkonstruktion geschraubt und gesichert.

Curdin Pfister, Geschäftsleiter und Inhaber der Pfister Metallbau AG, erläutert die von seiner Unternehmung hergestellten und montierten Metallbauteile.
Curdin Pfister, Geschäftsleiter und Inhaber der Pfister Metallbau AG, erläutert die von seiner Unternehmung hergestellten und montierten Metallbauteile.

Licht spendende Dachverglasung

Das langgezogene Dach über der Rolltreppe schafft eine optische Verbindung nach aussen und durchflutet die Erschliessungszone mit Tageslicht. Die Tragkonstruktion besteht aus Rechteckstahlrohren und wurde im Werk der Metallbau Pfister AG zu einzelnen, rund 800 kg schweren Elementen verschweisst. Die Anlieferung an den Zielort erfolgte aufgrund der Nähe zum Flugplatz (300 m) mit dem Helikopter. So – erklärt Curdin Pfister – konnte dieser Prozess schnell und effizient erledigt werden.
Als Verglasungssystem kam Schüco FW 50 + zur Anwendung. Deckleisten und Paneele sind aus Aluminiumblechen gefertigt. Als Verglasung wählten die Verantwortlichen ein 3-fach-Stufenisolierglas. Zu Wartungs- und Reinigungszwecken steht eine darunter angebrachte und speziell für diesen Zweck konzipierte Arbeitsbühne auf Schienen bereit.   ■

Das schlanke, langgezogene Glasdach kann mit einer auf Schienen fahrbaren Arbeitsbühne unterhalten werden.
Das schlanke, langgezogene Glasdach kann mit einer auf Schienen fahrbaren Arbeitsbühne unterhalten werden.

 

Verschiedenste innere Ganzglasgeländer bilden die Abschlüsse gegen die Rolltreppen und sichern die Lufträume. Alle oberen Glaskanten sind mit einem filigranen U-Profil aus Edelstahl geschützt.
Verschiedenste innere Ganzglasgeländer bilden die Abschlüsse gegen die Rolltreppen und sichern die Lufträume. Alle oberen Glaskanten sind mit einem filigranen U-Profil aus Edelstahl geschützt.

 

Diverse Ladenabschlüsse in transparenter und edler Ausführung. Je nach Bedarf mit Dreh-Schiebe-Elementen, aber auch mit automatisch öffnenden Schiebetüren ausgestattet. Speziell sind die oberen fachwerkartigen und blechverkleideten Sturzausbildungen.
Diverse Ladenabschlüsse in transparenter und edler Ausführung. Je nach Bedarf mit Dreh-Schiebe-Elementen, aber auch mit automatisch öffnenden Schiebetüren ausgestattet. Speziell sind die oberen fachwerkartigen und blechverkleideten Sturzausbildungen.

 

Verschiedene Pfosten-Riegel-Fronten bilden die Aussenhaut im Erdgeschoss. Gegenüber der Fassade halten sie sich diskret zurück und gewähren den Eintritt ins Gebäude.
Verschiedene Pfosten-Riegel-Fronten bilden die Aussenhaut im Erdgeschoss. Gegenüber der Fassade halten sie sich diskret zurück und gewähren den Eintritt ins Gebäude.

 

Diverse Brandabschlüsse und Fluchttüren – insbesondere in den Untergeschossen – sorgen für Sicherheit. Auch Swing-out-Schiebetüren kamen zur Anwendung.
Diverse Brandabschlüsse und Fluchttüren – insbesondere in den Untergeschossen – sorgen für Sicherheit. Auch Swing-out-Schiebetüren kamen zur Anwendung.

 

Bautafel

Objekt:

Neubau Einkaufszentrum Porta Samedan

Bauherrschaft:

Migros und Pfister Immobilien AG, Samedan

Architekten:

Fanzun Architekten, Samedan

Gestaltung Oberfläche Fassade:

Gregori Bezzola, Basel

Fassaden- und Metallbau:

Metallbau Pfister AG, Samedan

 

Das Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik enthält im Kap. 2.9 wichtige Informationen zum Thema «Kaltfassaden».