Mai 2021
Mai 2021

Mit Pflanzen an den Fassaden gegen den Klimawandel

Begrünung / Fassaden

Begrünung und Stadtklima im Zeichen des Klimawandels war ein Kernthema des 17. IGE-Seminars an der Hochschule Luzern. Das Seminar versammelte als Online-Version vor 150 Teilnehmenden Vortragende aus der Schweiz und Singapur, die unter anderem aufzeigten, wie die Städte der Zukunft etwa mit Begrünungen an der Fassade auf Hitzewellen reagieren können.


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In Singapur werden riesige Bauprojekte realisiert, in denen die Grünflächen auch noch in höchsten Etagen als Kühlinseln und als Treffpunkt der Bewohnenden dienen.
In Singapur werden riesige Bauprojekte realisiert, in denen die Grünflächen auch noch in höchsten Etagen als Kühlinseln und als Treffpunkt der Bewohnenden dienen.

Begrünung / Fassaden

Mit Pflanzen an den Fassaden gegen den Klimawandel

Begrünung und Stadtklima im Zeichen des Klimawandels war ein Kernthema des 17. IGE-Seminars an der Hochschule Luzern. Das Seminar versammelte als Online-Version vor 150 Teilnehmenden Vortragende aus der Schweiz und Singapur, die unter anderem aufzeigten, wie die Städte der Zukunft etwa mit Begrünungen an der Fassade auf Hitzewellen reagieren können.

Text: Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Bild: Iwan Baan

«Begrünung und Stadtklima im Zeichen des Klimawandels» – so nannte sich der Vortrag von Gianrico Settembrini am 17. IGE-Seminar. Settembrini stellte als Forschungsgruppenleiter am Institut für Gebäudetechnik und Energie Projekte vor, in denen etwa die Folgen von Fassadenbegrünungen auf das Mikroklima oder die Möglichkeiten der Klimamodellierung in Stadtquartieren untersucht werden. Begrünungen und Stadtklima war aber auch ein zentrales Thema des gesamten IGE-Seminars, das vom Institut für Gebäudetechnik und Energie IGE veranstaltet wurde und am Mittwoch, 17. März 2021, als Online-Veranstaltung vor 150 Teilnehmenden stattfand. Die Veranstaltung richtete sich an ein breites Fachpublikum aus den Bereichen Architektur, Energie und Gebäudetechnik sowie aus verwandten Disziplinen. Auch online bot es die Möglichkeit, sich zu vernetzen und auszutauschen.

Spannende Referate

Viele Möglichkeiten zur Lösung der Herausforderungen des Klimawandels hat die Fachplanung Hitzeminderung der Stadt Zürich erarbeitet. Die Massnahmen werden jetzt in stadteigenen Projekten umgesetzt, aber auch in Gesetzesvorlagen und bei Architekturwettbewerben eingebracht, wie Veronika Sutter vom Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich ausführte.

Thomas Schröpfer von der Singapore University of Technology and Design zeigte auf, dass «Dense and Green Cities» bereits jetzt Architektur als urbanes Ökosystem verstehen. Im Stadtstaat Singapur werden riesige Bauprojekte realisiert, in denen die Grünflächen auch noch in höchsten Etagen als Kühlinseln und als Treffpunkt der Bewohnenden dienen.

Roger Ingold sprach als Praktiker über die Anforderungen solcher Begrünungen. So verantwortet seine Firma Ingold Gartenbau und Begrünungen AG etwa die Bepflanzungen am grünen Hochhaus Aglaya in der «Suurstoffi» in Rotkreuz, in dem zum Teil acht Meter hohe Eichen auf den Balkonen wachsen. Jeder Pflanzentrog wurde doppelt abgedichtet und wird heute mit je eigener Technik gesteuert. Doch ist Ingolds Credo eindeutig: «Wir wissen, wie es gemacht werden muss und dass es gemacht werden muss. Vieles hängt an der Koordination der Arbeiten und an den Kosten.» Für die Biodiversität aber lohnt sich der Einsatz schon jetzt, wie Ingolds Team feststellen konnte: «Wir finden in den Pflanzen an Fassaden so viele Vogelnester und so viele Insekten wie in den Pflanzen, die in der Natur wachsen.»
  

Ideen sind vorhanden, aber sie müssen herausgekitzelt werden

Die weiteren Referate drehten sich im weiteren Sinne um Lösungsansätze und Zusammenarbeitsmodelle zur Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050. Urs-Thomas Gerber von CSD Ingenieure AG zeigte, wie man mit einem integralen Ansatz zum Plusenergiequartier kommt, das mehr Energie erzeugt, als es für Raumklima, Warmwasser und Strom selbst benötigt. Gerbers Credo: Die Ideen und das Fachwissen sind in der Schweiz vorhanden, doch müssen sie im Planungsprozess herausgekitzelt werden.

Auch Ideen, um das Trilemma zwischen Verdichtung von Städten, Denkmalpflege und der Nutzung von Solarenergie zu lösen, gebe es genug, sagte Guido Honegger vom Architekturbüro Vera Gloor AG. Er schlug die pragmatische Lösung vor, Photovoltaik nicht zwingend für die drei bis fünf Prozent denkmalgeschützte Häuser zu nutzen. «Solarenergie auf der Hälfte aller Dächer und einem Viertel der Fassaden, gestalterisch optimal integriert, ermöglicht die Energiewende», sagte Honegger und stellte dar, wie Kompromisse in einem Planungsprozess gefunden werden können.

Urs Vogel von Amstein + Walthert AG analysierte in einem Forschungsprojekt zusammen mit dem Institut für Gebäudetechnik und Energie IGE der Hochschule Luzern die Wirkung von Betriebsoptimierungen bei über 1000 Gebäuden. Bereits ein regelmässiger «Quick Check» von Heizungsanlagen in Wohnbauten führe im Mittel zu einer Einsparung von sechs Prozent der Energiekosten.
 

 

«Solarenergie auf der Hälfte aller Dächer und einem Viertel der Fassaden, gestalterisch optimal integriert, ermöglicht die Energiewende.» Guido Honegger

Interdisziplinäre Teams als Herausforderung

Matthias Sulzer von der Empa machte Teambildung und Ideenfindung als zentrale Probleme in interdisziplinären Teams aus. Sulzer war Leiter des Schweizer Kompetenzzentrums für Energieforschung für Gebäude und Quartiere (SCCER FEEBD) und zog in seinem Vortrag einen selbstkritischen Rückblick auf sieben Jahre Energieforschung. Er würde heute noch viel mehr Zeit darauf verwenden, dass sich die Forschenden aus verschiedenen Universitäten, Hochschulen und Industrie kennenlernen und Vertrauen aufbauen könnten. Zudem passe der Anspruch, radikale Ideen zu entwickeln, nicht zusammen mit dem Wunsch, die Arbeit genau zu planen und ein überschaubares Risiko zu fahren. Dennoch hätten, so Sulzer, die SCCER-Projekte viel Wissen generiert, etwa 14 Patente angemeldet und 29 Prototypen entworfen.

Auch Franziska Rölli setzt für die Lösung ihres Problems auf interdisziplinäre Teams. Die Biologin forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Luzern über Bakterien im Trinkwasser. Zwar seien viele dieser «unsichtbaren Untermieter» unbedenklich, aber manche auch sehr gefährlich, wie Legionellen, die die Legionärskrankheit auslösen. Daher soll jetzt untersucht werden, warum ihr Bestand im Schweizer Trinkwasser seit Jahren zunimmt, wo welche Risiken bestehen und wie diesen begegnet werden kann.

«Für uns war es bei der Konzeption der Veranstaltung wichtig, verschiedene Ideen und Lösungsansätze zusammenzubringen. Auffällig ist, dass viele der Referentinnen und Referenten auf die Bedeutung, aber auch auf die Herausforderung von interdisziplinärer Zusammenarbeit hinwiesen – und festhielten, dass diese gelernt und gepflegt sein will. Ich hoffe, dass das diesjährige IGE-Seminar dazu beitragen konnte», sagt Urs-Peter Menti, Co-Leiter Institut für Gebäudetechnik und Energie IGE, im Rückblick.

Unterlagen zu den Referaten finden sich hier www.hslu.ch     ■