April 2016
April 2016

Farbenfrohe Neuinterpretation bei Fassadengestaltungen

FASSADENGESTALTUNG / INTERNATIONAL

Wie ein riesiges, dreidimensionales, grafisches Kunstwerk erhebt sich der gekippte Pavillon inmitten der niederländischen Stadt Groningen. Für den Tschumipavillon aus dem Jahr 1990 entwickelten Shift Architecture Urbanism ein neues, dynamisches Farbgewand in CMY-Farben, das sich je nach Standpunkt des Betrachters verändert und neue Farben und Muster präsentiert.


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Der Tschumipavillon fungierte ursprünglich als Vorführstätte für Videoinstallationen im Rahmen der Ausstellung «What a Wonderful World» im Jahr 1990. Insgesamt fünf Pavillons von namhaften Architekten wie Eisenmann, Hadid, Himmelblau, Koolhaas und Tschumi schmückten die Stadt Groningen und bildeten auf ganz unterschiedliche Art einen Rahmen zur Präsentation von Musikvideos. Nach Ende der Ausstellung blieben zwei der Bauwerke bestehen: Neben dem Pavillon von OMA, der in eine Bushaltestelle integriert wurde, überlebte auch der gläserne Tschumipavillon, welcher anschlies-send als Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst diente. Sowohl Fassaden, Decke als auch das Tragwerk des Tschumipavillons wurden aus Glas errichtet. Der Architekt wählte das gläserne Material insbesondere aufgrund seiner spiegelnden Fähigkeiten: Die Glasfassade sollte die vorgeführten Videos ins Unendliche reflektieren und den eigentlich unsichtbaren Baukörper in ein «visuelles Spektakel» verwandeln, das die virtuelle Realität mit den Bildern des Monitors, der Stadt und den Reflexionen vermischt.Neues Konzept mit nur drei FarbenDie Transformation durch Shift Architecture Urbanism bildet eine Neuinterpretation dieses ursprünglichen Konzepts. Statt des Überlagerns von Filmaufnahmen mithilfe von Reflexionen nutzen die Architekten die Glasoberfläche, um unterschiedliche Farben miteinander zu vermischen. Für die neue Fassadengestaltung wurden lediglich Cyan, Magenta und Yellow verwendet. Je nach Standpunkt des Betrachters kommt es jedoch zu einer Farbüberlagerung: cyan + magenta = blau, yellow + cyan = grün, magenta + cyan = rot. Die einzelnen Farben wurden als diagonal verlaufende Streifen auf die Fassade aufgetragen, die sich um den gesamten Baukörper winden. Die Verwendung von Diagonalen soll den instabilen Effekt verstärken, den schon Tschumi durch das Kippen des Baukörpers hervorrufen wollte und der beim Umrunden des Pavillons ständig veränderliche Farben und Muster erzeugt. Die Längsseite zeigt eine Kreuzschraffur in der gesamten CMY-RGB-Farbpalette. Aus einem schrägen Blickwinkel hingegen lassen sich die diagonalen CMY-Farbbänder deutlich erkennen, die im Inneren des Pavillons zusätzlich mit der umgebenden Bebauung und Bepflanzung optisch verschmelzen. Mit der temporären Transformation des Tschumipavillons gelingt den Architekten eine farbenfrohe Neuinterpretation des ursprünglichen Konzepts. Themen wie die visuelle Überlagerung von verschiedenen Eindrücken, die optische Täuschung und die Erzeugung einer vermeintlichen Instabilität erhalten mithilfe des CMY-Farbgewandes eine neue Dimension. Damit wird der Tschumipavillon zum wiederholten Mal zum optischen Blickfang.