Januar 2023
Januar 2023

Erfahrung und Know-how mit Technik kombiniert

Schweissen / Interview

Moderne Schweissgeräte sind heute erheblich leistungsfähiger, effizienter – und sogar lernfähig. Trotzdem lassen sich Know-how und Erfahrung eines versierten Schweissers nicht ersetzen. Davon ist der Fertigungsleiter von Huhle Stahl- und Metallbau, Sebastian Feiler, überzeugt. Mehr erfahren Sie im Interview.


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Bild: Huhle. «Ohne gut ausgebildete Fachkräfte sind keine guten Ergebnisse zu erwarten», meint Sebastian Feiler, Leiter der Fertigung bei Huhle Stahl- und Metallbau in Wiesbaden.
Bild: Huhle. «Ohne gut ausgebildete Fachkräfte sind keine guten Ergebnisse zu erwarten», meint Sebastian Feiler, Leiter der Fertigung bei Huhle Stahl- und Metallbau in Wiesbaden.

 

Schweissen / Interview

Erfahrung und Know-how mit Technik kombiniert

Erstveröffentlichung M&T Metallhandwerk & Technik

Moderne Schweissgeräte sind heute erheblich leistungsfähiger, effizienter – und sogar lernfähig. Trotzdem lassen sich Know-how und Erfahrung eines versierten Schweissers nicht ersetzen. Davon ist der Fertigungsleiter von Huhle Stahl- und Metallbau, Sebastian Feiler, überzeugt. Mehr erfahren Sie im Interview.

Text: Redaktion / Bild: Huhle Stahl- und Metallbau und Redaktion

Herr Feiler, nach welchen Kriterien wählen Sie das Schweissverfahren für Stahl?
Da für Stahl mit Ausnahme des MIG-Schweissens jedes Verfahren infrage kommt, hängt die Wahl von Faktoren wie Standort, Zeit und Schweissaufgabe ab. Muss es schnell gehen, setzen wir auf das MAG-Schweissen. Es lässt auch «grosse» Nahtvolumen in einem Arbeitsgang zu und liefert gute Ergebnisse, unabhängig von der Materialdicke. Da MAG-Geräte relativ gross sind und es beim Schweissen windstill sein muss, eignet sich dieses Verfahren allerdings nur bedingt für die Baustelle. Zudem sollte nur sauberer, blanker Stahl MAG-geschweisst werden.
WIG-Schweissen ist ideal für sehr saubere Schweissnähte ohne Spritzer – dieses Verfahren kommt bei Chrom-Nickel-Stahl und auch im Rohrleitungsbau zum Zug. Mit WIG sind zudem sehr kleine Nahtdicken möglich, also filigrane, präzise Nähte. Kleine Anlagen laufen über 230 Volt. Damit sind diese Geräte auch besonders flexibel einsetzbar. Auch für das WIG-Schweissen gilt, dass die Stähle sehr sauber sein müssen. Auf der anderen Seite ist WIG vergleichsweise langsam und es muss stets beidhändig gearbeitet werden, um das Zusatzmaterial zuzuführen.
Das variabelste Schweissen erfolgt mit Elektrode, sowohl in der Werkstatt als auch auf der Baustelle. Die Geräte sind kompakt und laufen mit 230 Volt, mittlerweile sogar über Akkus. Ausserdem benötigt dieses Verfahren kein Prozessgas. Es ist für jeden Stahl geeignet und verarbeitet auch weniger reine Metalle. Weil die Elektrodenlänge die Länge der Schweissnaht begrenzt, muss der Schweisser allerdings immer wieder neu ansetzen. Das macht das Verfahren relativ langsam.

Man hört, die Gerätetechniken hätten sich rasant entwickelt. Stimmt das?
Ja, die Entwicklung ist seit den 1990er-Jahren vergleichbar zu der vom Wählscheiben-Telefon zum Smartphone. Generell wurden die Geräte kleiner, leichter und dennoch leistungsfähiger.
Heutige Geräte bieten so viel, dass eine ausführliche Einarbeitung nötig ist, um die volle Leistungsfähigkeit zu nutzen. Einige Beispiele: Viele Geräte bieten unterschiedliche Pulse, das führt zu schnellerem Schweisstempo, weniger Spritzern und hoher Aufschmelzleistung. Mit speziellen Lichtbögen für dünne Materialien, Engspalt-, Wurzel- oder Steignahtschweissen verfügen die Geräte über vordefinierte Einstellungen, die das Schweisspersonal einfach übernehmen kann. Ebenso lässt sich über Eingabe von Nahtart, Materialdicke und Werkstoff anzeigen, welche Schweissparameter sinnvoll sind. Die Geräte sind programmierbar und inklusive Brenner auch mit Fernregelung erhältlich.
Das Schweissen selbst läuft besser, zum Beispiel weil Lichtbögen deutlich besser zu kontrollieren sind und Sonderlichtbögen eine tiefere Wurzelerfassung erlauben. Die Geräte denken sozusagen mit und helfen, klassische Fehler wie Endkrater oder Bindefehler zu vermeiden.

Also sind nur noch solche modernen Geräte im Einsatz?
Grundsätzlich gibt es weiterhin «einfache» Anlagen für einfache Aufgaben. Wichtig ist: Um die modernen Geräte effizient zu nutzen, müssen sich die Fachkräfte intensiv mit der Technik befassen und sie verstehen lernen – mit der Bereitschaft, Dinge auszuprobieren und zu schauen, was wie optimal funktioniert.

Spielt da auch die CNC-Technik eine Rolle?
Die neuen Technologien sind eng verzahnt mit der Digitalisierung. Wie beim Computer gehört es heute auch bei Schweissanlagen dazu, Software regelmässig zu updaten – schon darüber «lernt» die Anlage immer wieder neue Funktionen. Dokumentation ist viel einfacher als früher, die Maschinen erfassen Gas-, Draht- und Stromverbrauch, die Schweisszeiten und sie liefern gleich eine Fehleranalyse mit.
Ist eine Schweissanweisung im Gerät hinterlegt, sind die Schweissparameter auftragsbezogen wieder abrufbar. Nutzen mehrere Fachkräfte dieselben Maschinen, lässt sie sich anwenderspezifisch konfigurieren. Nicht zuletzt: Die modernen Anlagen kommunizieren auch mit den Anbaugeräten – Drehtisch, Traktor, Roboter.

 

«Wie beim Computer gehört es heute auch bei Schweissanlagen dazu, Software regelmässig zu updaten – schon darüber «lernt» die Anlage immer wieder neue Funktionen.»

 

Insgesamt ist Schweissen also schneller und sicherer geworden. Welchen Einfluss hat da noch der Gerätebediener?
Trotz aller Technik ist der gut ausgebildete, erfahrene Schweisser nach wie vor das Mass der Dinge. Wer weiss, was einzustellen ist, wie die Anlage funktioniert und wie sich das Bauteil verhält, fertigt auch im Metallbau übliche kleine Losgrössen schnell und hochwertig. Ohne gut qualifizierte Fachleute nutzt auch das beste Gerät nur wenig.
Aber auch bei hohen Stückzahlen zahlt sich aus, wenn ein Profi den Auftrag bearbeitet, selbst wenn dann ein Roboter viele Tätigkeiten übernimmt. Am Anfang geht es darum, die Schweissparameter richtig einzustellen und den Kollegen die Vorgaben zu machen, wie zu schweissen ist. Aufwendig wird es, wenn für jedes Bauteil eine Schweissanweisung gefordert ist. Die ist dann zu schreiben, oft ist sie mit Verfahrensproben zu bestätigen. Leider geht der Trend in diese Richtung – weil es mehr Sicherheit bedeutet. Ein guter Schweisser wüsste aber auch ohne diese Angaben, wie ein gutes Resultat erzielt wird.  ■

 

Bild: Redaktion. Dinge auszuprobieren und zu schauen, was wie optimal funktioniert, ist unerlässlich.
Bild: Redaktion.
Dinge auszuprobieren und zu schauen, was wie optimal funktioniert, ist unerlässlich.

 

 

Machen Sie die Fase grösser

Sebastian Feiler rät: «Bei HV-, HY- oder V-Nähten bietet es sich an, die Fasen etwas grösser als statisch nötig zu machen. Das spart Schleifarbeit im Nachgang, weil bei kleinen Fasen oft mehr Schweissgut übersteht. Generell ist es gut, sich über die Fasen Gedanken zu machen – zum Fasenwinkel, zur Position der Spitze und damit über Verzug. Wichtig ist der Dialog zwischen Konstruktionsabteilung und Schweisser, auch im Hinblick auf die Leistung der Maschine.»

 

Das Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik enthält im Kap. 1.7.2.5 wichtige Informationen zum Thema «Schweissen».