März 2021
März 2021

Covid-19 im Schulbetrieb – wie geht das und was hat sich geändert?

Aktuelles: Bildungszentrum Aarberg

Massnahmen zum Schutz vor Covid-19 prägen unseren Alltag und beeinflussen das private sowie das öffentliche Leben. Auch Bildungsinstitute sind davon betroffen und versuchen – je nach Möglichkeiten – ihren Betrieb so weit wie möglich aufrechtzuerhalten und ihre Leistungen bestmöglich zu erbringen. Wie das Bildungszentrum Aarberg (AM Suisse) mit dieser Situation umgeht und welche Massnahmen getroffen wurden, erfahren Sie im Beitrag von George Burkhard.


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Arbeitsinstruktion der Kursteilnehmer. «Beim Fotografieren wurden alle zum Datum aktuellen Covid-19-Schutzmassnahmen eingehalten.»
Arbeitsinstruktion der Kursteilnehmer. «Beim Fotografieren wurden alle zum Datum aktuellen Covid-19-Schutzmassnahmen eingehalten.»

Aktuelles: Bildungszentrum Aarberg

Covid-19 im Schulbetrieb – wie geht das und was hat sich geändert?

Massnahmen zum Schutz vor Covid-19 prägen unseren Alltag und beeinflussen das private sowie das öffentliche Leben. Auch Bildungsinstitute sind davon betroffen und versuchen – je nach Möglichkeiten – ihren Betrieb so weit wie möglich aufrechtzuerhalten und ihre Leistungen bestmöglich zu erbringen. Wie das Bildungszentrum Aarberg (AM Suisse) mit dieser Situation umgeht und welche Massnahmen getroffen wurden, erfahren Sie im Beitrag von George Burkhard.

Text: George Burkhard, Fachbereichskoordinator Metallbau am Bildungszentrum Aarberg

Das letzte Jahr hat uns alle gelehrt, eine neue Sichtweise für unser tägliches Leben zu entwickeln. Covid-19 hat uns seit mehreren Monaten im festen Würgegriff und verlangt von uns täglich neue Abläufe, Strukturen und Verhaltensweisen. Diese Massnahmen sind aktuell nicht mehr wegzudenken. Massnahmen wie Hände waschen, Abstand halten oder die Maskenpflicht sind allgegenwärtig und werden uns wohl noch eine Weile begleiten. Wir haben uns mit der entsprechenden Situation organisiert und versuchen sie bestmöglich zu gestalten.

Dass dies nicht in allen Bereichen funktioniert und es daher besondere Schutzmassnahmen braucht, wurde allen schnell klar. Im Bildungswesen wurden konkrete Massnahmen vorgegeben. Auch das nationale Bildungszentrum des AM Suisse in Aarberg wurde mit dieser neuen Situation konfrontiert. Kurzerhand bedeutete dies, dass der Schulbetrieb für drei Monate ausgesetzt worden ist. Gerade die Kurse der Land- und Baumaschinentechnik traf es hier mit voller Wucht. Das Verbandszentrum hatte verschiedenste Punkte, die schnellstmöglich  gelöst werden mussten. Fragen betreffend Schulunterricht, Prüfungen, Verpflegung, Unterbringung der Kursteilnehmer oder das Facility-Management standen plötzlich im Vordergrund und mussten überdacht und neu definiert werden. Punkte wie Verkehrswege, Garderobenbenutzung, Pausen oder Lüftungszyklen mussten aufgezeichnet, analysiert, geändert und verständlich kommuniziert werden. Gerade die wechselnden Vorgaben im Bereich der Unterbringung verlangte viel Verständnis und wurde nicht von allen Parteien begrüsst. Anhaltspunkte, die für eine Organisation plötzlich zur erhöhten Aufmerksamkeit gestuft wurden. Neuland für uns alle!

Individuelles Schutzkonzept als Lösung

Aufgrund der Flexibilität war man schnell in der Lage, ein Schutzkonzept zu erarbeiten, zu prüfen und in den Schulbetrieb zu implementieren. Ein Konzept, das auch für kommende Aufgaben jeweils kurzfristig umgeschrieben und somit auf die entsprechenden Bedürfnisse der Situation angepasst werden kann, war entstanden. Dank diesem Basiskonzept konnten viele Lektionen in den Bereichen Land-, Baumaschinentechnik und Metallbau wieder aufgenommen und durchgeführt werden. Anpassungen im Bereich Sichtschutzwände, Desinfektionsstationen oder Bereitstellen von Masken, Gesichtsschutz und Handschuhen waren visuell bemerkbare Massnahmen, um den Unterricht in Aarberg zu gewährleisten. Jedoch forderte dies gerade bei den Dozenten enorme Bereitschaft und Flexibilität. Ein herkömmlicher Unterricht war praktisch nicht mehr möglich. Oberstes Ziel war aber, dass die Qualität des Unterrichts nicht darunter leiden durfte. Dies auch nicht, als im November die generelle Maskenpflicht im Schulbetrieb folgte. Die entsprechende Umsetzung hat funktioniert und so kann der komplette Unterricht wieder durchgeführt werden.

Offline–Online und die verschiedenen Unterrichtsformen

Die Situation im Bereich Metallbau war grundsätzlich ähnlich, jedoch im Unterricht komplett anders. Ein Grossteil des Unterrichts findet nicht im Praxis-, sondern im theoretischen Unterricht statt. Was sollte hier für eine Lösung auf den Tisch? Ein grundlegender, nicht zu unterschätzender Entscheid fiel bereits vor Ausbruch der Pandemie, nämlich im Januar 2020. Das BZA und seine Abteilung Metallbau hatten den Auftrag, eine entsprechende Evaluation in Bezug auf mögliche Tools zur Erteilung von Onlineunterricht zu erstellen. Entsprechende Ergebnisse konnten aufgrund der Erfahrungen von anderen Schulanbieten rasch evaluiert werden. Während des ersten Lockdowns konnten so die Favoriten ausgiebig getestet werden. Der Unterricht für die Metallbau-Weiterbildungsklassen auf Stufe Berufsprüfung und Höhere Berufsprüfung des BZA konnten so ohne Unterrichtsausfall weitergeführt werden. Sämtliche Lektionen wurden mittels Zoom oder Teams bewerkstelligt. Mittels neuer Tools war aber noch nicht gewährleistet, dass der Unterricht auch zielführend sein würde. Dem Dozententeam wurde bewusst, dass nun kein herkömmlicher Unterricht, wie er in einem Schulzimmer stattfindet, sondern etwas Neues entstehen musste. Plötzlich wurde der Methodik bedeutend mehr Gewicht verliehen. Die Fachpersonen mussten sich plötzlich mit neuen Voraussetzungen auseinandersetzen und so versuchen, die Studenten auf den verschiedensten Kanälen, weg vom Frontalunterricht hin zu Gruppenarbeiten, Selbststudium oder Kurzreferaten, zu steuern und so auch zu motivieren.

Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse konnten am BZA sukzessive alle Kurse wieder aufgenommen werden. Es war wieder möglich, Unterricht und Modulprüfungen in Aarberg stattfinden zu lassen. Praxistage der Konstrukteure und Metallbauer wurden mit einem Schutzkonzept versehen und konnten durchgeführt werden. Dies selbstverständlich jeweils unter den aktuell gültigen Schutzmassnahmen und den angepassten Schutzkonzepten. Alle beteiligten waren froh, dass ein Präsenzunterricht wieder stattfinden durfte. Ein wichtiger Faktor, der beim Online-Unterricht verloren ging, war die Gruppenfindung und somit die Seele einer Klasse.
  

«Aufgrund der Flexibilität war man schnell in der Lage, ein Schutzkonzept zu erarbeiten, zu prüfen und in den Schulbetrieb zu implementieren.»  

Flexibel bleiben und Lösungen suchen

Mit dem erworbenen Wissen konnten die Prüfungsvorbereitungen der Stufe BP und HFP durchgeführt werden. Die Voraussetzungen für die kommenden eidgenössischen Prüfungen der Stufen EFZ, BP und HFP waren somit erfüllt und konnten unter perfekten Bedingungen absolviert werden! Als Sahnehäubchen und somit als Highlight konnten die SwissSkills der Metallbauer im Bildungszentrum durchgeführt werden. Es spricht für sich, dass ein solcher, nicht zu unterschätzender Aufwand betrieben worden ist, um ein erfolgreiches Ausbildungsmodell weiterzuführen und so die Teilnehmer in die Berufswelt zu entsenden. Wir erachten es als unsere Pflicht, als Ausbildungsträger entsprechende Lösungen zu entwickeln und so die Branche zu unterstützen und zu stärken. Es ist uns gelungen, den entsprechenden Schritt nach vorne zu machen und so auch in Zukunft bestmögliche Lösungen zu generieren.  ■

Prüfungsexperten beim Korrigieren.
Prüfungsexperten beim Korrigieren.

 

Was bringt die Zukunft?

Wie wird es in Zukunft also weitergehen? Zurzeit beschäftigen uns aktuelle Einschränkungen in Bezug auf den Unterricht vor Ort. Auch hier versuchen wir, unser Schutzkonzept entsprechend den Schulungsorten anzupassen und so Bedingungen zu schaffen, um einen Unterricht zu ermöglichen. Als Sorgenkind hat sich aber die Verpflegung herauskristallisiert. Durch das Schliessen der Restaurants oder anverwandter Betriebe ist es praktisch unmöglich geworden,  Gäste und Teilnehmer zu verpflegen. Die Räumlichkeiten im Catering-Bereich des Hauses sind beschränkt und so sind Anpassungen vollzogen worden. Ein entsprechender Mensabereich würde hier einiges vereinfachen und  sich daher positiv auf den Schulbetrieb auswirken.

Wie wird es bei einer Normalisierung gerade im Onlinebereich weitergehen? Mit den verschiedensten Modulen haben wir hier die Möglichkeiten geschaffen, gewisse Sequenzen im Fernunterricht anzubieten. Für kommende Lehrgänge heisst dies zum Beispiel, dass rund 15–25 % der Lektionen online stattfinden. In ferner Zukunft könnte das auch bedeuten, dass komplette Lehrgänge im Fernstudium angeboten werden. Ein solches Modell gibt es bis jetzt noch nicht. Wir sind aber überzeugt, dass dies von der Branche honoriert würde und so vermehrt Teilnehmer mit langen Anfahrtswegen einen solchen Kurs belegen würden. Orts- und zeitunabhängiges Lernen bekommt plötzlich eine völlig neue Bedeutung.

Was ziehen wir für positive Punkte aus dieser Covid-Zeit für den Schulbetrieb? Mit unserer Flexibilität konnten wir bestmögliche Resultate erzielen und so das Wissen der Teilnehmer fördern. Wir haben es verstanden, innert kürzester Zeit die vorhandenen Hilfsmittel richtig und optimal einzusetzen und so allen Parteien den gewinnbringenden und vor allem den zusätzlichen Nutzen vor Augen zu führen. Entsprechende Tools werden somit auch von zukünftigen Klassen genutzt und noch wichtiger: für den beruflichen Alltag geschult. Stellen wir uns doch vor, dass entsprechende Apps plötzlich denselben Stellenwert haben könnten wie eine CAD- oder eine CNC-Software. Eine interessante Perspektive, die uns ermuntert, vorwärtszugehen und weitere Lösungen, gerade im E-Learning-Bereich, anzustreben. Die Zukunft beginnt nicht morgen, sie hat bereits begonnen und wir sind mittendrin.

bza.amsuisse.ch    ■